• Wasserschloss Bad Rappenau

    Wasserschloss Bad Rappenau Nacht

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Die Bauernbefreiung im frühen 19. Jahrhundert (in Bad Rappenau 1820: Aufhebung der Leibeigenschaft, 1831 Aufhebung der Fron, 1825 Ablösung des Bürger- und Schutzgeldes, 1839 Ablösung von Zins und Gült, 1843 Abschaffung des Zehnten, 1846 Abschaffung Handlohn) war für Rappenau umso bedeutender, als die Saline sich in den Gründerjahren ihr Arbeiterpotential hauptsächlich aus ehemaligen Frondienstpflichtigen rekrutierte, während später dann ehemalige Tagelöhner und Gutsarbeiter auf der Saline Verwendung fanden. Diese Arbeiter waren in den Gründerjahren durchweg männlichen Geschlechts. Da gab es Sieder, Bohrarbeiter, Feinsalzer, Denaturierer, Packer, Lader, Magazinarbeiter, Dampfmaschinenwärter, Schreiner, Zimmerleute, Maurer, Schlosser, Schmiede, Nachtwächter, Tagelöhner sowie den Salinenverwalter und mehrere Beamte. 

Es war teilweise eine sehr schwere körperliche Arbeit unter insgesamt sehr harten Arbeitsbedingungen. Dies wird insbesondere bei den Siedern deutlich: Die Arbeit auf der Saline war harte Knochenarbeit bei kargem Lohn. Maschinelle Hebe- und Transportvorrichtungen kamen bis Ende des vorletzten Jahrhunderts noch nicht zum Einsatz. Alle wichtigen Arbeiten wurden von Hand ausgeführt. Bei so schwerer körperlicher Arbeit waren Muskelkraft, Zähigkeit und Ausdauer gefordert. Der Arbeitstag hatte 12 Stunden. So etwas wie Urlaub gab es nicht. Auch die Arbeitsruhe an Sonn- und Feiertagen war gesetzlich nicht geregelt. Da der Siedebetrieb nicht unterbrochen werden konnte, arbeiteten die Sieder in 2 Schichten. Die Nachtschicht arbeitete von abends 18:00 Uhr bis morgens 6.00 Uhr, die Tagesschicht von morgens 6 Uhr bis abends 18 Uhr. Für viele der Sieder galt oft die 84-Stundenwoche. Die meisten Sieder brachten es auf über 340, einige sogar auf über 350 Arbeitstage im Jahr. Neben der anstrengenden körperlichen Arbeit waren die Sieder ständig einer fast unerträglichen Hitze ausgesetzt, so dass die meisten nur mit nacktem Oberkörper und barfuß arbeiten konnten.

Bemerkenswert ist, dass schon 1913 zum ersten Mal eine Frau im Belegschaftsverzeichnis der Saline auftritt. Es handelt sich um Karolina Stromer, die als Kantinen- und Badewärterin beschäftigt wurde. Vorher war die Arbeit auf der Saline wie bereits erwähnt ausschließlich Männersache. Dies änderte sich mit Beginn des ersten Weltkrieges, als auch mehrere Rappenauer Frauen anstelle der zum Kriegsdienst eingezogenen Männer auf der Saline eingesetzt wurden. 1916 waren dort immerhin 32 weibliche Arbeitnehmerinnen beschäftigt: 18 Salzpackerinnen, 2 Näherinnen, 1 Köchin, 1 Kantinen- und Badewärterin sowie 10 Tagelöhnerinnen. Sie waren 18 – 22 Jahre alt.

Ihre Vergütung lag weit unter der ihrer männlichen Kollegen. So betrug 1916 bei den Salzpackern der durchschnittliche Tageslohn 3,95 – 3,96 Mark, während die Salzpackerinnen Marie Remle, Marie Stromer und Lina Hofmann lediglich 1,80, 2,34 bzw. 2,33 Mark pro Tag verdienten.

Den bei Kriegsende auf der Saline beschäftigten Frauen und Mädchen wurde nach Abschluss des Waffenstillstandes vom Salinenamt mündlich eröffnet, dass sie nach Rückkehr der männlichen Arbeiter nicht mehr damit rechnen könnten, weiter beschäftigt zu werden. Ihnen wurde empfohlen, sich sofort nach einer Beschäftigung umzusehen und diese auch sogleich anzunehmen „solange Arbeit noch leichter zu erhalten sei“. Mitte November 1918 wurde ihnen dann die Kündigung zugestellt.

Da es nach Kriegsende aber nicht so leicht war, anderweitige Arbeit zu finden, und sie vorübergehend auf der Saline weiter gebraucht wurden, sind 10 Arbeiterinnen „guttatsweise über die Kündigungsfrist hinaus“ (so das Salinenamt) weiterbeschäftigt worden, um dann Mitte Februar 1919 „mit kürzester Frist“ entlassen zu werden.

Sogar die Teuerungszulage wurde den 10 Arbeiterinnen verweigert mit der Begründung, sie seien „längst zur Entlassung“ bestimmt gewesen und von der Saline nur „guttatsweise über die Kündigungsfrist hinaus“ beschäftigt worden.

Frauen wurden dann auf der Saline zur Zeit des Zweiten Weltkrieges ab 1939 beschäftigt. Der Krieg bedeutete für die Saline wieder den Entzug von männlichen Arbeitskräften, an deren Stelle verstärkt Frauen zum Einsatz kamen. Etwa 14 Frauen waren hauptsächlich in der Sacknäherei sowie im Magazin beim Absacken des Salzes beschäftigt.

Auch in späteren Jahren waren in der Saline noch Frauen beschäftigt, wie das leider undatierte Bild einer Paketiermaschine für den Versand des Salzes zeigt.

Aus: Michael Konnerth, „Die Rappenauer Saline und ihre Geschichte“

 
 
 
 
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