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Salinendirektor Carl Falk war es, der 1930 die Errichtung eines Sole-Freibades in Bad Rappenau ins Gespräch brachte. Er war 1. Vorsitzender des Kur- und Verkehrsvereins (seit 1989 Heimatverein, seit 2002 Heimat- und Museumsverein). Ursprünglich nannte man das Projekt „Strandbad“ und der Kur- und Verkehrsverein war anfangs federführend bei der Realisierung. Im Dezember 1932 wurde eine „Schwimmbadkommission“ ins Leben gerufen. Auf Anregung des Bad Rappenauer Dentisten Eugen Hartmann entschied man sich für das Gelände am Gewann „Zwischen den Eisenbahndämmen“ nördlich des damaligen Kurparks, das alle Voraussetzungen für die Errichtung eines Schwimmbads erfüllte. Als Vorzüge wurden genannt die Lage im Kurviertel und die Nähe zur Bahnlinie. Letzteres lasse eine vorzügliche Reklame zu. Auch ein „terrassenförmiger Ausbau“ sei aufgrund der topographischen Beschaffenheit des Geländes möglich. Hinzu komme noch, dass die Be- und Entwässerungsfrage schon geradezu ideal gelöst sei. Auch die Zugangsmöglichkeiten namentlich auch für Kraftfahrzeuge begegne keinen Schwierigkeiten. Zudem schließe sich nach Süden der Kurpark an, was der gesamten Anlage einen „außerordentlich geschmackvollen Eindruck und idyllischen Reiz“ verleihe. Die Vorzüge des Geländes hob Falk hervor. Es sei 135 Meter lang und 75 Meter breit, werde nach Norden von der Bahnlinie Heidelberg-Heilbronn begrenzt und nach Süden schließe sich der Kurpark an. Gegen Osten und Westen werde der Badeplatz gegen Winde durch die zu errichtenden Umkleidekabinen geschützt. Drei Abteilungen solle das Freischwimmbad erhalten: für Schwimmer, für Nichtschwimmer und für Kinder.

Salinendirektor Falk gab die Zusicherung, die Saline würde täglich zur Füllung der Becken 60 Kubikmeter vorgewärmtes Wasser bereitstellen. Zudem habe auch die Brauerei Häffner zugesagt, pro Tag 40 Kubikmeter Wasser zu liefern. Weitere Wassermengen würde das Gemeindesolebad zur Verfügung stellen.

Mit der Planausfertigung wurde der Sinsheimer Architekt Lohoff beauftragt. Im August 1934 wurde intensiv der Geländeerwerb betrieben und im November des gleichen Jahres konnte Bürgermeister Hofmann bekanntgeben, dass das benötigte Gelände von 10.576 m² nun zur Verfügung stehe. Im Dezember 1934 traf dann auch der Genehmigungsbescheid für das Bauvorhaben ein, so dass der erste Spatenstich bereits vor Jahresende vorgenommen werden konnte.

Die Bevölkerung stand dem Projekt sehr aufgeschlossen gegenüber. Die Erdbewegungs- und Grabarbeiten sind zum weitaus größten Teil von freiwilligen Helfern der örtlichen Vereine durchgeführt worden. Am Sonntag, dem 4. August 1935 wurde mit einer kleinen Feier das Soleschwimmbad seiner Bestimmung übergeben. Natürlich durften die freiwilligen Helfer auch als erste den Sprung ins kühle Nass tun. Bis zur Fertigstellung der gesamten Anlage sollte aber noch fast ein Jahr vergehen. Die feierliche Einweihung erfolgte dann am 7. Juni 1936. Leider war an diesem Tage der Wettergott den zahlreichen Festteilnehmern nicht hold. Wie aus Zeitungsberichten und Gesprächen mit Zeitzeugen hervorgeht, regnete es ununterbrochen in Strömen, so dass wichtige Programmpunkte, wie beispielsweise Schwimmwettbewerbe, zu denen sich auch mehrere auswärtige Vereine angemeldet hatten, buchstäblich ins Wasser fielen. Der „Unterländer Bote“ schrieb darüber in seiner Montags-Ausgabe: „Das Soleschwimmbad, das erste dieser Art in Süddeutschland. Wir Rappenauer sind stolz darauf, denn sicher wird gerade dieses Bad seine Anziehungskraft nicht verfehlen und darf sich so würdig an die sonstigen, gesundfördernden und unterhaltenden Einrichtungen unseres Badeortes anschließen…“. In dem im damaligen Bezirksort Sinsheim erschienenen „Kraichgau“ heißt es unter anderem: „Kristallklar ist das Solebadwasser und so blau wie der Himmel an schönen Sommertagen. Quellklares Wasser, grüner Rasen, duftende Blumen und Gesträucher, Liegestühle für Sonnenbäder, Sonnenschirme und Sitzbänke laden zum Besuch dieses schönen Bades ein, sei es auch nur um sich an dem munteren Treiben und Leben der Badebesucher zu erfreuen.“

Mit der Errichtung des Solebades war dem Kurort ein großer Wurf gelungen und die Hoffnungen, die man an die Errichtung dieses Bades geknüpft hatte, gingen weit schneller und weit mehr in Erfüllung, als man ursprünglich erwartet hatte. Bis zu 6.000 Badegäste wurden an einigen Tagen bereits im Eröffnungsjahr gezählt und mit dem damals geprägten Werbe-Slogan „Bad Rappenau – Seebad fern vom Meer“ ist in der Folgezeit der Name Bad Rappenau weit und breit bekannt gemacht worden. Nicht nur die Verwendung von Sole in einem Schwimmbecken (bis zu dem Zeitpunkt wurde Sole lediglich für Wannenbäder genutzt), sondern auch das Freiluftinhalatorium war ein Novum. Die von den Düsen versprühte Sole reicherte die Luft mit fein pulverisierten Salzpartikeln an.

Das 1935/36 im Bad Rappenau errichtete Soleschwimmbad war die erste Anlage dieser Art in Süddeutschland und nach dem Sole-Schwimmbad im norddeutschen Kurort Rothenfelde das zweite Soleschwimmbad in Deutschland überhaupt. Die Errichtung des Bades kostete genau 116.021,17 RM (Reichsmark), ungefähr das achtfache des ursprünglichen Kostenvoranschlags. Dabei spielte sicherlich die Inflationsrate eine Rolle, aber auch die nicht im Kostenvoranschlag enthaltenen Kosten für den Grundstückserwerb. Bereits 1935/36 wurden weitere Grundstücke zugekauft, um die Liegefläche zu vergrößern. Die Gesamtanlage hatte danach eine Fläche von 14.394 m².

In der langen Zeit, die seitdem vergangen ist, erfolgten immer wieder Umbau- und Sanierungsmaßnahmen, zuletzt in den Jahren 2016 – 2019 in zwei Bauabschnitten. 

Aus: Bad Rappenauer Heimatbote Sonderausgabe Juni 1993, zur Geschichte des Bad Rappenauer Sole-Freibades von Michael Konnerth (Auszüge) – kostenlos im BürgerBüro Bad Rappenau erhältlich!

 
 
 
 
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