von Inge und Rudolf Rothenhöfer

(gekürzte Fassung des Beitrags im Bad Rappenauer Heimatboten Nr.31, S. 26 ff.)

Die Eingliederung Rappenaus in den badischen Staat
Der Vertrag vom 17. Juli 1806 zwischen Napoleon und den Rheinbundfürsten (die sogenannte Rheinbund-akte) schuf sowohl für die Markgrafschaft Baden wie auch für den Ort Rappenau eine neue Situation: Für Baden markierte er eine wichtige Station auf dem Weg zum Staat mittlerer Größe. Er brachte weiteren Gebietszuwachs und machte es zum Großherzogtum. Für Rappenau bedeutete der Vertrag das Ende seiner Zeit als Reichsritterort. Es war nicht sofort klar, welchem Staat Rappenau zugeordnet würde. Durch einen weiteren Vertrag vom 13. November 1806 zwischen Baden und Württemberg kam Rappenau dann zum Großherzogtum Baden.

Der Weg zur gelungenen Fundbohrung in Rappenau, das Ende der Salzarmut in Baden
Als Karl Friedrich von Baden noch Markgraf von Baden-Durlach war, hatte sein Land keine eigene Saline. Inzwischen erfuhr sein Land, wie schon erwähnt, eine starke territoriale Vergrößerung. Zu den neu hinzugekommenen ehemals nicht badischen Städten gehörten Bruchsal und Mosbach. Beide Städte hatten eine eigene Saline, die aber nur eine dürftige Ausbeute erbrachten. Die Salzarmut des Großherzogtums war mit ihnen nicht zu beheben. Da aber Kochsalz lebensnotwendig ist, musste der Salzbedarf durch Einfuhr gedeckt werden. Für das Großherzogtum Baden war Kochsalz also im wesentlichen ein den Staatsetat belastender Importartikel.

Bereits den Salinisten früherer Zeiten war klar, dass Solen, also kochsalzhaltige Wässer, da entstehen, wo Wasser in der Tiefe der Erde auf Steinsalz trifft, das man durch immer tiefere Bohrungen erreichen wollte. Die unversehrte Steinsalzlagerstätte sollte dann also Wasser mit einem Salzgehalt nahe der Sättigungsgrenze liefern, wodurch die kostspielige Gradierung wegfallen würde. Leider war aber so ein Salzflöz bisher noch nicht erreicht worden.

1806 folgte der in Wilna lehrende Prof. Carl Christian von Langsdorf einem Ruf an die Universität Heidelberg Er war bekannt als Verfasser der "Anleitung zur Salzwerkskunde". Sehr bald bemühte er sich, den geologischen Bau im Großherzogtum Baden zu erforschen. Seine Devise war: "Unsere Solen kommen ursprünglich aus Steinsalz". Die neue von ihm propagierte Methode hieß Fundbohrung. Sie sollte durch Bohrung in bisher noch nicht erreichte Tiefen die nötigen Kenntnisse vom Aufbau der Erdschichten liefern und zur Auffindung vorhandener Steinsalzlager führen.

Zunächst fand eine Bohrung in Heinsheim am Saubörzel statt, wo man schon früher Salzwasseraustritt beobachtet hatte. Ein Heinsheimer Bürger schrieb an den Großherzog von Baden, seinen neuen Landesherrn, dass sich mit Bestimmtheit gute Sole unter Heinsheimer Grund befinde. Professor von Langsdorf wurde darauf von der Regierung mit der Untersuchung beauftragt, fand aber keine Salzquellen oder Salzbrunnen mehr vor und riet von der Suche in Heinsheim ab.

Inzwischen wurde im benachbarten Württemberg eine Bohrung angesetzt. Der Bergassessor Bilfinger begann damit 1 km südöstlich von Jagstfeld am 17. August 1812. Die Bohrung dauerte bis März 1816; dann fand man in einer Tiefe von 140,7 m ein Salzflöz mit einer darüber ruhenden gesättigten Sole, die den Bau einer Saline ohne aufwendige Gradierung gestattete.

Diese erfolgreiche Fundbohrung in Jagstfeld im Jahre 1816 gelang zum ersten Mal in Mitteleuropa. Das Steinsalzflöz gehörte geologisch in den Bereich des Mittleren Muschelkalks, war also vor etwa 250 Millionen Jahren entstanden. Die nächste erfolgreiche Fundbohrung fand in Wimpfen im Tal statt, wo Christian Friedrich Glenck, der Stiefsohn von Langsdorfs, am 19. Januar 1819 zu bohren begann. Er arbeitete mit viel Geschick und verbesserte laufend die Methoden der Bohrung, so dass schon nach 298 Tagen, die Bohrung bei einer Tiefe von 142 m erfolgreich war. Es konnte eine gesättigte Sole gewonnen werden. Im damals hessischen Wimpfen entstand die Saline Ludwigshalle.

Im Dreiländereck, wo Württemberg, Hessen und Baden aufeinandertrafen, hatten nun Württemberg und Hessen große Salzvorkommen erschlossen. Beide Salinen in Jagstfeld und Wimpfen waren zudem günstig am Neckar gelegen. Das Land Baden hatte bisher bei Bohrungen kein Glück.

Rappenau im Neckarhochland erschien durch seine Rahmenbedingungen als Salinenstandort ungeeignet: Anlegestellen der Schiffe am Neckar waren relativ weit entfernt, die Wege und Straßen dahin schlecht. Für Siedepfannen hätte das verfügbare Brennholz gefehlt  und für Solepumpen das Antriebswasser.

Dennoch suchte der Salinist Christian F. Rosentritt, angeregt von den Erfolgen Glencks in Wimpfen, auf Rappenauer Gemarkung nach Steinsalz. Die erste Bohrstelle lag nahe an der hessischen Landesgrenze. Diese Fundbohrung nahm nur sechseinhalb Monate in Anspruch. Es wurde rund um die Uhr gebohrt. Rosentritt erwähnt in einem Bericht den geschickten Mechanikus Ott und "die musterhafte Treue unserer braven Rappenauer Arbeiter". Ott hatte vermutlich von Glenck in Wimpfen neuentwickelte Bohr- und Fangwerkzeuge nachgebaut und eingesetzt. Am Morgen des 11. September 1822 konnte aus einer Tiefe von 175 Meter pures Steinsalz mit dem Löffel heraufgeholt werden. Am 9. April 1823 übernahm der badische Staat das Bohrloch. Da im selben Jahr (1822) in Dürrheim ebenfalls ein Salzvorkommen gefunden wurde, war der Eigenbedarf des Großherzogtums Baden in Bezug auf Kochsalz fortan gesichert.

Rückblick
Rückblickend kann man sagen: Es mussten verschiedene Ereignisse zusammenkommen, damit in Rappenau eine Saline gebaut werden konnte.

  1. Rappenau kam 1806 zu Baden, wo 1822 immer noch Salzmangel herrschte. Hessen und Württemberg waren inzwischen mit Salinen versorgt. Wäre Rappenau zu Hessen oder zu Württemberg gekommen, hätte sich für diese Länder eine weitere Saline im Neckarhochland erübrigt.
  2. In Baden mussten bisherige Fundbohrungen in Orten mit besseren Rahmenbedingungen ( in Neckarmühlbach, in Heinsheim und anderswo) wegen Salzmangels infolge Auslaugung durch den Neckar ergebnislos verlaufen, damit Rappenau im Neckarhochland als Ort für eine Fundbohrung gewählt wurde.
  3. Ein fähiger Salinist wie Rosentritt musste die Risikobereitschaft und das nötige Geld aufbringen, damit ihm die Regierung in Karlsruhe vertraute und die Genehmigung zur Bohrung in Rappenau erteilte. Die Nähe zu Wimpfen und die neue erfolgreiche Methode Glencks waren für seine eigenen Versuche vorbildhaft. Die Gemeinde Rappenau ehrte die Leistung Rosentritts 1836 mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde.
  4. Die Zugehörigkeit Rappenaus zu Baden erwies sich für beide Seiten als Gewinn. Durch die Entdeckung des Salzlagers auf Rappenauer Gemarkung konnte das Land seine Salzarmut beheben und seine finanziellen Nöte mildern. Für Rappenau ergaben sich durch den Bau einer Staatssaline neue Entwicklungsmöglichkeiten.

Der entscheidende Anfang dieser Entwicklung bleibt mit der gelungenen Fundbohrung und mit dem Großherzogtum Baden verbunden.


Übersicht über die Veranstaltungen zum Jubiläum 2022:
09.09.2022:    Eröffnung der Jubiläumsausstellung im Rathaus:
„1822 – 2022 – 200 Jahre Sole – die Geburtsstunde des Kurortes Bad Rappenau“ Ausstellung des Stadtarchivs bis 31.12.2022. Mit regelmäßigen Kurzführungen unter dem Motto „Wissenspause“ sowie geführten Rundgängen durch die Ausstellung und „Anekdoten“ sowie Führungen und Workshops für Schulen und Kindergärten.

10.09.2022:    Festakt im Kurhaus

11.09.2022:    „Tag der offenen Tür“ bei der Solebohrung / Soleworschfescht

14.-17.09.2022    Gradierwerkkonzerte (bei freiem Eintritt):
-    Mittwoch, 14.09.22: Grand Central Bigband; Jazz und Swing im Big Band Style
-    Donnerstag, 15.09.22: Open Doors – The Choir
-    Freitag, 16.09.22: Major Healey; The Wild Side of the Seventies
-    Samstag, 17.09.2022: Brenz Band; die musikalischen Botschafter für Menschen mit Behinderung

Natürlich ist noch einiges mehr in Planung – was genau, erfahren Sie im Laufe des Jubiläumsjahres.

 
 
 
 
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