• Wasserschloss Bad Rappenau

    Wasserschloss Bad Rappenau Nacht

Beitragsbild

Ein schwerer Schlag bedeutete für die Rappenauer Saline die Brandkatastrophe vom 12. März 1889, die das Siedehaus 3 samt dem dazugehörigen Magazin völlig zerstörte. In den zwei Telegrammen, die im Abstand von 12 Stunden abgeschickt wurden, heißt es: 

  1. „Siedehaus 3 brennt. Nördliches Beamtenhaus in Gefahr“
  2. „Siedehaus 3 mit Magazin bis auf den Grund abgebrannt. Die übrigen Gebäude gerettet“

Das 1823 vom Weinbrenner-Schüler Friedrich Arnold im klassizistischen Baustil errichtete Siedehaus 3, das in weniger als 4 Stunden ein Raub der Flammen werden sollte, war 68,5 Meter lang und 21,5 Meter breit. Wie aus dem 1869 angelegten „Feuerversicherungsbuch der Ludwig-Saline“ hervorgeht, betrug 1889 der Versicherungsanschlag von Siedehaus 3 47.150 Mark.

In einem Bericht der Domänendirektion an das Großherzogliche Finanzministerium in Karlsruhe vom 7. April 1889 wird detailliert auf den Brandhergang sowie dessen Ursachen und Folgen eingegangen. Darin heißt es unter anderem:

„Der Brand…brach in dem an der südwestlichen Ecke des Siedehauses gelegenen Materialkämmerchen – dem sogenannten Besenstübchen – aus. In dem Stübchen befanden sich zur Zeit des Brandausbruchs:

  1. Ein alter, hölzerner Kasten, welcher früher zur Aufbewahrung des Lampenöls diente und infolgedessen stark von Fett durchdrungen war;
  2. Ein unmittelbar neben dem Kasten an der Wand befestigtes, ebenfalls mit Öl durchtränktes Brett (Bänkchen);
  3. Eine auf diesem Bänkchen stehende Blechkanne mit ca. 6 Liter Erdöl nebst einem ca. ½ Liter fassenden Becher aus Blech zum Einfüllen des Erdöls in die Lampen;
  4. 100 bis 120 Stück Reisigbesen, sowie einige Holzabfälle und etliche Gerätschaften.

In dem Besenstübchen pflegten die Sieder ihre Lampen mit Erdöl zu füllen. Besondere beim Brennen von Erdöl zu beachtende Vorschriften wurden von der Salinenverwaltung nicht erlassen, auch war es den Siedern nicht verboten, das Stübchen mit offenem Licht zu betreten und daselbst die brennenden Lampen mit Erdöl zu füllen.

Wenn während der Nachtzeit eine Lampe zu füllen war, so hatten es die Arbeiter in der Gewohnheit, die Dille der Lampe samt dem brennenden Dochte abzuschrauben, und das Öl durch die Dillenöffnung in die Lampe einzugießen. Dabei wurde die Dille mit dem brennenden Dochte entweder in der linken Hand zwischen Daumen und Zeigefinger gehalten, oder auf das oben erwähnte Bänkchen gelegt. Daß auf diese Weise, sei es durch Herabfallen eines noch brennenden Batzens, oder durch Entzündung des Bänkchens ein Brand in dem Stübchen leicht möglich ist, liegt auf der Hand. …

Um 7.20 Uhr (…) soll die Flamme zum Fenster des Stübchens hinausgeschlagen haben. Wie allseits versichert wurde, war dieses Fenster stets geschlossen. Es mußten deshalb um 7.20 Uhr die Fensterladen infolge einer hochgradigen Hitze, die doch nur durch ein starkes Feuer im Stübchen erzeugt werden konnte, gesprungen gewesen sein.

Da ungefähr zur gleichen Zeit, als die Flamme zum Fenster hinausschlug, von den Siedern die Türe des Stübchens bald nachher auch die Türe, welche die unmittelbar neben dem Stübchen gelegene Treppe vom Gewölbe abschließt, sowie das Hauptportal aufgerissen wurden, und infolgedessen ein heftiger Luftzug in der Richtung nach der ebenfalls in der Nähe des Stübchens befindlichen Öffnung des Dachraumes entstand, so ist es recht wohl erklärlich, dass sich das Feuer mit großer Geschwindigkeit unter dem Dache des Siedehauses fortpflanzte und schon in kurzer Zeit das ganze Siedehaus in Flammen stand. Gegen 9 Uhr wurde auch das an die östliche Giebelseite des Siedhauses angebaute Salzmagazin vom Feuer ergriffen und um 11 Uhr waren beide Gebäude und zwar das Siedhaus bis auf den Sockel und den steinernen Unterbau und das Magazin bis auf ein Stück Mauerwand, einem kleinen Teil des Bodengebälks, die Fundamente und Sockelmauerung niedergebrannt. Der ca. 30 m hohe Kamin des Siedhauses hat gleichfalls durch die Einwirkung der Hitze nicht unerheblich Not gelitten.

Außerdem sind das westlich vom dem Siedhaus gelegene Handmagazin 4 beschädigt worden, auf dessen Giebel das Feuer sich fortgepflanzt hatte, aber alsbald wieder gelöscht werden konnte und das nördliche Beamtenhaus, letzteres nur infolge von Löschmaßnahmen.“

Neben der oben beschriebenen möglichen Brandursache stand auch der Verdacht der absichtlichen Brandstiftung im Raum. Aber auch später konnte die Ursache des Brandes nicht geklärt werden.

In größter Eile begann die Salinenverwaltung noch 1889 mit der Wiederherstellung der vom Feuer vernichteten Gebäude. Zusätzlich wurde ein Anbau erstellt, in dem man eine Feinsalzpfanne einrichtete. Die Kosten beliefen sich auf 142.500 Mark, wobei der Saline eine Brandentschädigung von 49.389 Mark und 80 Pfennig aus der Generalbrandkasse erstattet wurde.

Der Großherzog persönlich ordnete am 19. Juni 1889 an, „für den Wiederaufbau der auf der Saline Rappenau abgebrannten Betriebsgebäude sowie für die Errichtung eines Anbaus zur Aufstellung einer Feinsalzpfanne daselbst“ die genannte Summe zu bewilligen.

Der komplette Bericht der Domänendirektion ist im Heimatboten Nr. 2 vom Dezember 1989 (vergriffen) sowie im Buch „Die Rappenauer Saline und ihre Geschichte“ von Michael Konnerth abgedruckt. Das Buch ist zum Preis von 10 Euro im BürgerBüro Bad Rappenau erhältlich.

Quellen: 

  • Michael Konnerth, Die Rappenauer Saline und ihre Geschichte
  • Heimatbote Nr. 2 vom Dezember 1989

 

 
 
 
 
WIR VERWENDEN COOKIES

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies).

Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.