• Wasserschloss Bad Rappenau

    Wasserschloss Bad Rappenau Nacht

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Ab jetzt ist auch Teil 5 von 1934 bis 1974 online (siehe unten)!

Teil 1: 1821 - 1835

Aus: Salz und Sole – Das historische Bohrhausmagazin – Rückblick von Almut und Hubert Friedrich.

1821

  • Am 18.02.beantragt der aus dem pfälzischen Dürkheim stammende Salinendirektor Georg Christian Heinrich Rosentritt die Konzession zu Bohrversuchen auf Salz in der Gemarkung Rappenau und erhält am 08.11. die Bewilligung.

1822

  • Vom 23.02. bis zum 10.09. wird die Fundbohrung am Einsiedelwald auf 175 m niedergeschlagen und auf eine Endteufe von 191,6 m gebracht.

1823

  • Am 03.03. verfasst Friedrich Arnold, der Neffe des Karlsruher Architekten und Baumeisters Friedrich Weinbrenner, zusammen mit Rosentritt und Reich, dem Leiter des Finanzministeriums, eine Denkschrift über: „Bedingungen unter welchen die Lieferung von 80.000 Zentner Kochsalz von der Saline Rappenau bis Ende d. J. stattfinden kann“.
  • Die badische Regierung übernimmt am 09.04. das Fundbohrloch.
  • Am 04.05. erhält die Anlage den Namen „Ludwigssaline bey Rappenau“.
  • Vom 26.05. bis 08.12. wird Bohrloch 2 bis 183,4 m abgeteuft.
  • Am 27.05. auf der Höhe des Schwärzbergs ist die feierliche Grundsteinlegung der Saline.
  • Am 25.08. ist der erste Probesud, die in 78 m Tiefe eingehängte Pumpe fördert 0,2 l hochgradige Sole/sec.
  • Am Neckar bei Heinsheim entstehen ein Lauer (Schiffsanleger) und ein Salzmagazin.
  • Die Salztrasse Heinsheim – Rappenau – Kirchardt – Richen wird ausgebaut.

1824

  • Vom 02.06.1823 bis zum 25.02.1824 wird Bohrloch 3 mit 187,1 m Tiefe niedergebracht.
  • Vom 02.04. bis 22.11. entsteht Bohrloch 4 mit 204,6 m Tiefe.
  • Eine Mott’sche Niederdruckdampfmaschine mit 8 PS pumpt Sole und Süßwasser zur Saline.
  • Neben den Bohrhäusern entsteht das 25 m hohe Pumpenhaus, von dem aus die Sole über Holzdeichelleitungen zur Saline geleitet wird. Durch den Einsatz eines Balanciers wird Antriebsenergie eingespart.
  • Die Jahresproduktion beträgt 60.000 Ztr./Jahr. Es sind 20 Sieder eingestellt.

1825

  • 06.04.1824 bis 12.06.1825: Am Bohrloch 5 wird eine Tiefe von 214,6 m erreicht. Das Salzflöz wird zum ersten Mal durchbohrt und zeigt eine Mächtigkeit von 32,5 m.
  • Jede Bohrung hat ein Tretrad, mit dem die Bohrmannschaft (15 Mann) das Bohrloch frei von Schlamm und Gestein halten muss.
  • Süßwasser wird mit Pferdefuhrwerken vom Schlosssee geholt.
  • Drei Siedehäuser mit je fünf Pfannen sind fertig gestellt. Je nach Temperatur und Siededauer wird die Körnigkeit des Salzes eingestellt. Geheizt wird mit Holz.
  • Zur sozialen Absicherung der Salinenarbeiter wird die Sustentationskasse gegründet.
  • Für die schulpflichtigen Kinder der Saliner wird eine private Schule eingerichtet.

1826

  • Am 09.01. ist die Salinenanlage mit Aufwendungen von 1 Million Gulden fertig gestellt.
  • Die Aktionäre erhalten eine Prämie von 88.400 Gulden bezogen auf den zuvor festgelegten Solegehalt von 26,8 %.
  • Es sind 50 Mann auf der Saline beschäftigt. 120.000 Ztr. Salz werden im Jahr produziert.

1827

  • Ein Salinenwirtshaus wird eingerichtet.

1828

  • Am 12.09. wird der Verein der Neckarsalinen von den Salinen Ludwigshalle in Wimpfen, Friedrichshall in Jagstfeld, Clemenshall in Offenau und Ludwigssaline in Rappenau gegründet. Der Konkurrenzkampf ist groß, ein schwungvoller Salzschmuggel vom hessischen Wimpfen zum badischen Rappenau blüht. 1 Pfund Salz kostete in Rappenau 4 Kreuzer, in Wimpfen 1,5 Kreuzer.

1829

  • In der Wohnsiedlung der Saline wohnen 123 Personen mit 22 schulpflichtigen Kindern.

1830

  • Die Dampfmaschine wird erstmals mit Steinkohle befeuert

1831

  • Um den Brennstoffbedarf zu sichern, heizt man neben Holz auch mit Torf (50%).

1832

  • Wegen Teuerung der Steinkohle wird die Dampfmaschine stillgelegt und die Pumpe von Hand betrieben. 40 Mann bedienen in zwei 12-Stunden-Schichten die Kurbeln für 30 Kreuzer Lohn.
  • Die Bohrlöcher 4 und 5 werden auf einen Durchmesser von 15,56 cm erweitert. Die Soleförderung wird dadurch verdoppelt.

1834

  • Der Pumpenturm wird abgerissen, da der Unterhalt zu teuer ist. Ein Magazin für Bohrgeräte und Rohre wird gebaut.
  • Die Salzpreise in den einzelnen deutschen Staaten werden angeglichen und beenden den Salzschmuggel.
  • Ein Bohrarbeiter erhält für 12 Stunden Arbeit 38 Kreuzer.

1835

  • Baden tritt dem Deutschen Zollverein bei. Die Zölle für den Transport von Waren auf dem Neckar entfallen. Rappenau jedoch muss den Weg nach Heinsheim mit 34 Kreuzer/Salzsack bezahlen und ist gegenüber den anderen Neckarsalinen im Nachteil.
  • G. C. H. Rosentritt übergibt das Amt des Salinenverwalters an Franz von Chrismar.

Lufbild Saline Postkarte undatiert

Luftbild der Saline (undatierte Postkarte, Stadtarchiv)


Teil 2: 1836 - 1867

1836

  • Am 13.06. werden Salinendirektor Rosentritt die Ehrenbürgerrechte der Gemeinde verliehen.

1837

  • Die Salinenschule wird wegen zu hoher Kosten aufgelöst, die 25 Kinder gehen auf die Gemeindeschule.

1838

  • Bohrloch 2 bricht zusammen und kann nicht mehr in Betrieb genommen werden. 
  • Ein Süßwasserbrunnen wird an dieser Stelle mit Hilfe eines 34,8 m tiefen Schachtes gebaut.

1839

  • Ein neues Dampfmaschinenhaus mit neuer Technik wird zwischen den Bohrungen 4 und 5 gebaut. Ein Feldgestänge übernimmt die Kraftübertragung, Kunstkreuze leisten die Pumparbeit. Gusseiserne Rohre ersetzen die hölzernen Deicheln. 
  • Der Abendverein wird in der Gastwirtschaft „Zur Saline“ gegründet.

1840

  • Vom 03.09. bis 01.04.1842 wird das Bohrloch 6 mit einer Tiefe von 217,35 m abgeteuft.
  • Die Steuerdirektion beschließt, Mängel zu beseitigen.

1843

  • Die Feuerung von Siedehaus 1 und 2 wird mit Steinkohle beschickt.

1846

  • Die alten Siedehäuser werden umgebaut. Ein 28,8 m hoher Kamin entspricht der neuen Heiztechnik. 1.000 m² Siedefläche entstehen, die Heizkosten sinken. Ein Sud für grobkörniges Salz dauerte 96 Std., für feines Salz 24 Std.
  • 150.000 Ztr. Salz werden produziert, davon 135.000 Ztr. grobes und 15.000 Ztr. feines.
  • Der Süßwasserbrunnen im Salinenhof erhält zum Antrieb der Pumpe eine Windmühle.
  • Salinenabfälle vom „Salzbötzigplatz“, das undichte Solereservoir und das tägliche Ablassen der Mutterlauge in den Salzgraben verunreinigen das Grundwasser.
  • Rosentritt kehrt nach Rappenau zurück und stirbt am 04.05.

1847

  • Der Betrieb der Dampfmaschine verschlingt 12 Klafter Holz und 8.000 Ztr. Steinkohle. In 3 Siedehäusern werden 600 Klafter Holz und 79.790 Ztr. Steinkohle verfeuert. Dabei werden 152.508 Ztr. Salz produziert.

1851

  • Carl Friedrich Reuß, ehemaliger Bgm. von Heilbronn, schlägt vor, in Rappenau ein Salzbergwerk zu errichten.

1855

  • Am 25.05. stimmt die Regierung diesem Vorschlag zu. Da sie die Hälfte des Reingewinns beansprucht, ist das Interesse der Gesellschafter gering und lässt den Plan scheitern.

1859

  • 171.500 Ztr. von bester Salzqualität finden Dank Werbung auf Messen und Ausstellungen guten Absatz.

1860

  • Wegen Standortnachteilen wird erwogen, die Saline Rappenau an den Neckar zu verlegen.

1861

  • Aus dem Abendverein wird die Kasinogesellschaft, in dem auch der „Gesangverein Saline Rappenau“ integriert ist. Der „Frauenverein Ludwigssaline“ betreut eine Kleinkinderstube.

1862

  • Die Salztrocknung findet nicht mehr in Körben, sondern auf Herden statt, die mit Abgasen aus der Heizungsanlage beheizt werden. 
  • Eine neue Hochdruckdampfmaschine mit 8 PS geht in Betrieb.

1865

  • Die „freiwillige Feuerwehr der Saline und des Ortes Rappenau“ mit 26 Mann unter Kommandant Ludwig von Chrismar wird gegründet.

1867

  • Durch Marktabsprachen des Neckarsalinenvereins mit französischen Salinen wird das bisherige Kartell zum 1. Internationalen Kartell in der deutschen Wirtschaftsgeschichte erweitert.

Teil 3: 1868 - 1904

1868

  • Auf Betreiben des Deutschen Zollvereins wird das Salzmonopol aufgehoben und der Salzverkauf für 2 Taler/Ztr. freigegeben. In Rappenau geht die Produktionsmenge zurück.
  • Im Inventarverzeichnis der Saline sind 40 Salinengebäude verzeichnet, der Schätzwert liegt bei 120.750 Gulden.
  • Eröffnung der Eisenbahnstrecke Heidelberg – Sinsheim – Rappenau – Jagstfeld – Heilbronn. Die Saline erhält einen Eisenbahnanschluss.
  • Die Dampfpfannen werden durch leistungsfähigere Feuerpfannen ersetzt.
  • Die Saline ist von der Gewerbe- und Einkommenssteuer befreit. 

1869

  • 75 Beschäftigte produzieren jetzt 200.000 Ztr. Salz pro Jahr
  • Durch bauliche Maßnahmen wird die Verladung auf Eisenbahnwaggons dem Betriebsablauf angepasst.

1872

  • Rappenauer Salz ist sogar auf der Weltausstellung in Wien vertreten. Die Jahresproduktion beträgt 300.000 Ztr.

1873

  • Der Sterbekassenverein wird gegründet.

1874

  • Das von der Hochdruckdampfmaschine angetriebene Feldgestänge zur Soleförderung wird in einem Gestängegraben verlegt und läuft auf Rädern. 
  • Durch Umbaumaßnahmen wird die Siedefläche auf 1.500 m² erweitert.

1877

  • Die Gesamtpfannenfläche ist auf 1.660 m² erweitert worden.

1882

  • Das 7. Bohrloch wird niedergebracht, heute Bohrloch 2.

1883

  • Gegen Vertrag und Wasserzins (200 Mark) verkauft Salinengasthofpächter Heinrich Reinhardt Quellwasser an die Saline.

1884

  • Die Sustentationskasse wird durch die Betriebskrankenkasse ersetzt. Weitere Sozialgesetze regeln Altersgeld und Invalidenrente.

1885

  • Im Dezember geht das Salzbergwerk in Heilbronn in Betrieb. 
  • Die Produktionszahlen in Rappenau sinken auf 14.400 Jahres-Tonnen.

1889

  • Am 12.04. fallen Siedehaus 3 und Salzmagazin 3 einem Großbrand zum Opfer.
  • Wiederaufbau der Gebäude und Einbau einer Feinsalzpfanne.
  • Rückgang der Produktion auf 13.800 t.

1890

  • Nach der Aufbauphase steigt die Produktion auf 14.500 t/Jahr.

1894

  • Die Saline kauft 2 km westlich von Rappenau ein Wiesengrundstück mit 4 Quellen. Über eine Pumpstation in Rappenau und den Hochbehälter auf dem Wartberg wird die Saline mit Süßwasser versorgt. Ortsteile von Rappenau werden an die Trinkwasserversorgung angeschlossen.
  • Die stark salzhaltigen Abwässer werden neben dem Mühlbach in einer Kläranlage „entschärft“.

1895

  • Die bisherige Dampfmaschine wird durch eine 20 PS starke Hochdruckdampfmaschine ersetzt.
  • Am 15.09. ist in Jagstfeld eine Bergwerkskatastrophe. Mit einem Wassereinbruch von 280 l/s säuft die Grube ab. – Das Erdbeben ist in der ganzen Umgebung zu spüren.

1896

  • Die neue Dampfmaschine treibt zusätzlich einen Dynamo an, der 10 Kilowatt/Stunde liefert. Pumpen für Süßwasser, Salzmühle und Salzaufzug werden nun elektrisch angetrieben, später kommen Werkstätten, Solepumpen und Beleuchtung hinzu.

1900

  • Siedehaus 5 wird zur Feinsalzerzeugung gebaut. Beim Bau wird durch ein einstürzendes Gerüst ein Arbeiter getötet und mehrere schwer verletzt.
  • Eine installierte Hängebahn mit Deckenschiene erspart den Handtransport des Salzes.
  • Trotz steigender Produktion (19.500 t) fällt der Erlös aus dem Salzverkauf von 1,85 auf 1,24 Millionen Mark wegen niedriger Preise und geringer Nachfrage nach mittel- und grobkörnigem Salz. Der Einnahmeverlust kann nur durch Produktionsverbesserung eingedämmt werden. 

1903

  • Das salineneigene Badhaus bei den Bohrungen wird abgerissen, nachdem im Siedehaus 5 Badeeinrichtungen geschaffen wurden.

1904

  • Bohrloch 8 wird niedergebracht, das dauert bis 1906. Das Fundbohrloch ist inzwischen zusammengestürzt.
  • Die Jahresproduktion beträgt 20.000 t Salz.

 

Saline von Sued 1949

Bild: Saline von Süden, 1949 (Josef Junker) 


Teil 4: 1905 - 1930

1905

  • Ein fahrbahrer Bohrturm mit elektrisch betriebener Kabelwinde wird aufgestellt. Er ist 18,7 m hoch, aus Winkeleisen konstruiert, mit Wellblech ummantelt, er wiegt 18 t und kann 4 t heben. Wegen der Höhe des Maschinenhauses können die östlich gelegenen Bohrhäuser nicht von dem Bohrturm überfahren werden.
  • Die Krankenhilfe wird verbessert.

1906

  • Zwei Arbeiterdoppelwohnhäuser werden südwestlich vom Siedehaus 1 gebaut.
  • Der Lohn steigt um 21,5%, gleichzeitig gehen die Arbeitsplätze von 136 auf 127 zurück.
  • Die Pfannenfläche in den 5 Siedehäusern beträgt 1.944 m².
  • Die durchschnittliche jährliche Salzproduktion beträgt 10,23 t/m².

1908

  • Den Salinenarbeitern steht erstmals nach 5-jähriger Dienstzeit ein Jahresurlaub von 3 Tagen (bei 10 Jahren 5 Tage und bei 20 Jahren 8 Tage) bei Fortzahlung des Lohnes zu.

1909

  • Das Sole-Hochreservoir am Einsiedelwald ist mit 2.000 m³ Fassungsvermögen fertig gestellt und mit dem Siedehaus 5 durch eine 500 m lange Leitung verbunden. Das Reservoir gibt auch Sole für Badezwecke ab.
  • Ein Kantinen- und Aufenthaltsraum wird gebaut, daraus wird später das Feierabendheim.

1912

  • Die Salinenarbeiter gehören jetzt der Arbeiterpensionskasse der Badischen Staatseisenbahnen an.

1913

  • Die elektrische Kabelwinde im fahrbaren Bohrturm ermöglicht das Ziehen und Ablassen der Rohre beim Säubern der Bohrlöcher. So können die Arbeiten am Tretrad reduziert werden.
  • Es werden 19.979 t Salz produziert.
  • Als Kantinen- und Badewärterin tritt zum ersten Mal eine Frau in die Belegschaft ein.

1916

  • Während des 1. Weltkriegs verzeichnet die Saline einen Produktionsrückgang. Erfahrene Arbeiter sind im Kriegsdienst, ungelernte Arbeiter und Soldaten (13) aus dem Lazarett führen Bohr- und Säuberungsarbeiten aus. 30 Frauen zwischen 18 und 22 Jahren werden als Sackpackerinnen, Näherinnen, Tagelöhnerinnen, Köchinnen, Bade- und Kantinenwärterinnen angestellt. Die Beaufsichtigung ist mangelhaft und die Kohle zum Heizen minderwertig. Zudem ist die Arbeitsmoral durch den Krieg gesunken.

1919

  • Die Produktion in den Nachkriegsjahren beträgt 10.634 t/Jahr.

1921

  • Alle Salzmagazine sind gefüllt und Arbeiter mit kleiner Landwirtschaft müssen „freiwillig“ aus dem Dienst ausscheiden.

1924

  • Am 03.04. wird per Gesetz die Umwandlung der Salinen Dürrheim und Rappenau in die Aktiengesellschaft „Vereinigte Badische Staatssalinen Dürrheim und Rappenau AG“ verabschiedet. Modernisierung und bessere Marktorientierung sind das Ziel.

1925

  • Anschluss der Saline an das Badenwerk, Bau der Trafostation im Salinenhof.
  • Die Dampfmaschine wird verkauft und das Maschinenhaus abgerissen.

1926

  • Die östlich gelegenen Bohrhäuser erhalten ein aufklappbares Dach, die Gleise des fahrbaren Bohrturms werden verlängert. Das Ziehen und Einbauen der Verrohrung der Bohrlöcher mit dem Tretrad ist nun überflüssig.
  • Zum Rangieren der Waggons werden Elektrokarren angeschafft.
  • Die Eisenbahnanlage erhält eine 3. Drehscheibe.

1927

  • Siedehaus 2 wird abgerissen und an gleicher Stelle Siedehaus A mit modernen Salzauszieh-, Salztrocknungs- und Verpackungsvorrichtungen gebaut.

1928

  • Das letzte Tretrad wird stillgelegt.
  • Ein weiteres Arbeiterwohnhaus entsteht.
  • Die Wochenarbeitszeit beträgt 48 Std.
  • 112 Personen sind beschäftigt und produzieren 20.000 t Salz.

1929

  • Bohrloch 9 wird abgeteuft.
  • Während der Weltwirtschaftskrise geht die Salzproduktion auf 10.000 t zurück. Pfannen werden stillgelegt, die Wochenarbeitszeit beträgt 32 Std.

1930

  • Eine Solerückpumpanlage pumpt den größten Teil der Mutterlauge in die Solereservoirs zurück (Recycling).
  • Nach Ansicht der Fachleute ist die Rappenauer Saline nun die modernste in Europa.

2008 Verschiebung Bohrturm 2008 3

Verschiebung des Bohrturms im Jahr 2008 anlässlich der Landesgartenschau


Teil 5: 1934 – 1974

1934

  • Der Deutsche Salzbund regelt die Absätze der Salinen. 17,05% entfallen auf die süddeutschen Salinen, davon 3,16927% auf die Dürrheim/Rappenau AG. Das Salz wird nicht nur in Deutschland verkauft, sondern auch nach Dänemark und Schweden vermarktet.
  • Es werden fein- und grobkörniges Salz, Viehsalz, Lecksalz für das Wild, vergälltes Gewerbesalz und Badesalz produziert.

1935

  • Siedehaus 4 wird abgerissen und Siedehaus B gebaut. Zwischen Bau A und B liegt das 70 m lange Zentralmagazin. Im Untergeschoss sind die Feuerungsanlagen, die anfangs von Hand, später mit einer automatischen Wurffeuerung mit Kohle beschickt werden. Darüber sind je 3 Unterkesselpfannen. Der Siedeprozess ist mechanisiert. In der Oberpfanne setzt sich das Salz am Boden ab und wird mechanisch ausgezogen. Die Trocknung erfolgt mittels Zentrifugen und Trockenzylindern bzw. Heißluft.
  • Mit 1 kg Kohle wurden 2,48 kg Salz gesotten und getrocknet.
  • Von den alten Siedehäusern ist nur noch Haus 5 in Betrieb

1939

  • Zu Beginn des 2. Weltkriegs mangelt es an Arbeitskräften. Frauen werden in der Sacknäherei und der Verpackung eingesetzt. Die Produktion sinkt um die Hälfte (10.000 t), Schuld daran sind die schlechten Transportbedingungen und die mangelhafte Versorgung mit Kohle.

1940

  • Bohrloch 10 wird abgeteuft.

1943

  • Ebenso Bohrloch 11. Nur letzteres wird gebrauchsfähig.

1944

  • Gebäude der Saline werden zur Einlagerung „kriegswichtiger Waren“ genutzt.
  • Am 01.09. kommen Kriegsgefangene aus Russland, Frankreich und Polen sowie deutsche Häftlinge (50 Mann) ins ehemalige Lagerhaus. Die Gefangenen helfen bei der Salzherstellung und werden zur Ernte eingesetzt.
  • Bis auf Beschüsse von Flugzeugen hat die Saline den Krieg unzerstört überstanden.

1945

  • Am 28.03. wird der Betrieb wegen des Herannahens der Amerikaner eingestellt.
  • Die Gefangenen werden nach Neckarelz verlegt, von wo aus sie den Fußmarsch nach Dachau antreten.
  • Am 02.04. wird die Saline von Amerikanern besetzt.

1946

  • Im September geht die Produktion wieder in Betrieb.

1948

  • Kohlemangel lässt die Produktion nur schwer in Gang kommen. Es werden 10.800 t Salz hergestellt.

1951

  • Jedes Bohrhaus erhält einen Elektromotor. Das Feldgestänge entfällt.

1954

  • Die „Sonnensalzanlage“ produziert an Sonnentagen 3 t „DÜRA-Sol“. Diese Anlage dient auch der Heilung von Kurgästen mit chronischen Erkrankungen der Atemwege. Sie wurde 1964 aus Rentabilitätsgründen stillgelegt und nach Marokko verkauft.

1957

  • Im Siedehaus B wird eine automatische Salzauszugsvorrichtung eingebaut.
  • Die Kohlefeuerung (35 t/Tag) wird auf billigeres Schweröl umgestellt.

1962

  • Die Saline hat 60 Beschäftigte.
  • Mit einer Tagesproduktion von 60 t ist die Kapazitätsgrenze erreicht (22.000 t/Jahr).

1964

  • Das ehemalige Wirtschaftsgebäude der Saline, dass sich in der Salinenstraße befindet und als Altersheim und Gästehaus diente, wird in die Schwärzbergklinik integriert.

1965

  • Gründung der „Südwestdeutschen Salz AG“ aus den baden-württembergischen Salinen Bad Friedrichshall, Rottweil, Bad Dürrheim und Bad Rappenau und dem Salzwerk Kochendorf.

1968/1969

  • Rationalisierungsmaßnahmen führen zur Stilllegung der Salinen Rottweil (1968) und Bad Friedrichshall (1969).

1971

  • Am 02.09. fusioniert die AG mit dem Salzwerk Heilbronn zur „Südwestdeutschen Salzwerke AG“ mit Verwaltungssitz in Heilbronn. – Die Pfannensalinen in Bad Dürrheim und Bad Rappenau können mit der Vakuumverdampfungsanlage in Bad Friedrichshall-Kochendorf nicht Schritt halten.

1972

  • Am 31.03. wird die Salzproduktion eingestellt.
  • 25 Arbeiter werden nach Aufstellung eines Sozialplanes entlassen, die anderen erhalten in Kochendorf Arbeitsplätze.
  • Zum Ende des Jahres benötigt die AG 2.500 t Salz einer bestimmten Körnung, die nur in Bad Rappenau hergestellt werden kann. So wird hier noch 5 Monate weiter produziert.

1973

  • Am 28.02. wird die Saline endgültig „kalt“ gelegt. Damit endet eine fast 1.000 jährige Geschichte der Pfannensalzproduktion in Baden-Württemberg.

1974

  • Siedehäuser, Reservoire und Werkstätten werden abgerissen. Einige Gebäude bleiben erhalten und stehen heute unter Denkmalschutz.
  • Am 21.01. werden die beiden markanten Kamine gesprengt. Nach fast genau 150 Jahren geht damit eines der wichtigsten Kapitel der Rappenauer Geschichte zu Ende, hatte doch die Saline lange Zeit die Entwicklung Bad Rappenaus entscheidend mitgeprägt und die Voraussetzungen für den Kurbetrieb geschaffen. Jetzt sollte aber gerade ihre Stilllegung für die Entwicklung des Kurortes neue Möglichkeiten erschließen.

1974 Josef Junker klein

Abbruchmaßnahmen im Jahr 1974 (Josef Junker)

 

 

Fortsetzung folgt...

Die Broschüre „Salz und Sole – Das historische Bohrhausmagazin – Rückblick von Almut und Hubert Friedrich“, aus der diese Angaben stammen, wurde nach der Landesgartenschau im Jahr 2009 veröffentlicht und ist mittlerweile leider vergriffen.

 

 
 
 
 
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