• Wasserschloss Bad Rappenau

    Wasserschloss Bad Rappenau Nacht

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Nach Erschließung des Salzvorkommens in Rappenau 1822 wurde das Fundbohrloch am 9. April 1823 von der badischen Regierung übernommen. Am 27. Mai 1823 begann man mit dem Bau der Salinenanlage, die den Namen "Ludwigssaline" erhielt. Da die Rappenauer Saline also in großherzoglich badischem Staatsbesitz war, unterlagen Salzgewinnung wie auch der Salzhandel im Großherzogtum Baden von Beginn an (16. Oktober 1823) einem Staatsmonopol.

Angebot und Nachfrage nach Siedesalz lagen in der Hand des Staates, in Rappenau also des Großherzogtums Baden. Durch Ausschaltung des Wettbewerbs hatte dieses eine marktbeherrschende Machtstellung über das wertvolle Siedesalz. Der Staat konnte im Inland, also in Baden, die Preise nach Belieben festsetzen und sich damit über die Salzbesteuerung eine wichtige Einnahmequelle sichern, wobei der Salzpreis oft ein Vielfaches der Produktionskosten des Salzes betrug (noch 1846 z.B. lag der Salzpreis bei 5 Gulden pro Zentner gegenüber Produktionskosten von 1 Gulden 9 Kreuzer pro Zentner). Es durfte kein Salz von außerhalb nach Baden eingeführt werden, die eigene Salzproduktion und der Handel wurden kontrolliert.

In der großherzoglich badischen Staatssaline Rappenau wie auch in der großherzoglich badischen Staatssaline Dürrheim wurde das Siedesalz nach der Trocknung von den Siedern in Rückenkörben in die Lagerräume neben den Siedehäusern getragen. Dort wurde es gesiebt, gewogen und zum Versand in Ein- oder Zweizentnersäcke abgefüllt. Ein vom Staat als Kontrolleur beauftragter Steueraufseher hat schließlich die einzelnen Säcke plombiert. Durch dieses Plombieren der Säcke vermied man Auseinandersetzungen im Handel wegen eventuell unreiner oder schlecht gewogener Salzmengen. Danach konnten die Salzsäcke verladen und an die im Salzgroßhandel berechtigten Badener oder an dafür vorgesehene Handelsniederlagen (Magazine) zu 3 1⁄2 Kreuzer das Pfund Salz abgegeben werden. Ein solches Salzmagazin hatte die Rappenauer Saline in Mosbach, von wo aus das Salz in die nordöstlichen badischen Gebiete an Main und Tauber gehandelt wurde. Neben diesem preisgebundenen Speisesalzverkauf gab es allerdings auch den als Handverkauf bezeichneten Einzelverkauf z.T. schon ab Saline, bei dem der Preis bis zu einem Höchstpreis von 4 Kreuzern pro Pfund der freien Konkurrenz überlassen war. Dies führte hier im Grenzgebiet zwischen dem 1806 entstandenen Großherzogtum Baden mit seiner Ludwigssaline in Rappenau, dem Großherzogtum Hessen mit der Saline Ludwigshall in Wimpfen sowie dem Königreich Württemberg mit den Salinen Friedrichshall in Jagstfeld und Clemenshall in Offenau zu erheblichen wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten.

Der vom großherzoglich badischen Staat wie auch vom Königreich Württemberg festgelegte Salzverkaufspreis war wesentlich höher als der Salzpreis im benachbarten großherzoglich hessischen Wimpfen mit seiner Privatsaline Ludwigshall, wo das Pfund Salz nur 1 1⁄2 Kreuzer kostete. Dies führte zu einem rapide zunehmenden schwunghaften Salzschmuggel (auch als "Salzschwärzen" bezeichnet) über die Grenze, an dem nicht nur die Bewohner der grenznahen badischen und württembergischen Dörfer, sondern auch Wimpfener Bürger beteiligt waren (der durch badisches Gebiet führende Wimpfener Hoheitsrecht besitzende Forstweg von Wimpfen über Rappenau und Obergimpern zum Wimpfener "Forstwald" war dafür besonders geeignet). Da dieser oft auch im Großen betriebene Schmuggel die Einnahmen des badischen Staates aus dem Salzmonopol gefährdete, wurde die Grenze zum hessischen Wimpfen durch Militär bewacht. Es wurden nicht nur harte Strafen für Schmuggel verhängt (nach einem württembergischen Strafgesetz: "Wer unerlaubt Salz in das Königreich einbringt, sei es zum eigenen Gebrauch oder zum Wiederverkauf, wird neben Confiscation des Schmuggelsalzes mit einer Geldstrafe von einem Gulden pro Pfund belegt"), es wurde auch auf Schmuggler geschossen, wobei es sogar Tote gegeben haben soll. Man verlangte von Wimpfen, es solle den Handverkauf einstellen. Um Druck auf Wimpfen auszuüben, belegte die badische Regierung das in der Wimpfener Saline gebrauchte aus dem hessischen Odenwald über badisches Gebiet bezogene Brennholz mit hohen Zöllen. Die mit Salz aus Wimpfen beladenen neckarabwärts fahrenden Schiffe wurden im badischen Neckarbereich durch Militär gestoppt.

Der Handverkauf auf der Wimpfener Saline wurde zwar eingestellt, als Baden einige Jahre lang jährlich 50 000 Zentner Salz aus Wimpfen abnahm, der Salzschmuggel blühte jedoch weiterhin. Durch den Zusammenschluss der vier Neckarsalinen Rappenau, Offenau, Jagstfeld und Wimpfen im "Verein der Neckarsalinen" am 12.9.1828 versuchte man den Kampf um die Salz-Absatzmärkte zu mildern. Trotz vieler dafür beschlossener Vereinbarungen, vor allem auch zur Unterbindung des Salzschmuggels, ließ sich dieser auch nach 1828 nicht völlig unterbinden. Erst die weitgehende Angleichung der Handverkaufspreise von 3 Kreuzern pro Pfund Salz in Baden, Hessen und Württemberg in den Jahren 1833/34 entzog dem Salzschmuggel schließlich weitgehend den Boden.

1868 wurde das staatliche Salzmonopol aufgehoben. Der Salzverkauf wurde gegen eine Produktionssteuer von 2 Talern pro Zentner freigegeben. Befreit von dieser Steuer waren lediglich Viehsalz und Badesalz, sowie für gewerbliche Zwecke und für den Export bestimmtes Salz.

Aus: Beitrag im Heimatboten Nr. 27 von Hans-Heinz Hartmann

 
 
 
 
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