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Nach dem 2. Weltkrieg kam es öfters zu Verknappungen des Kohlevorrats, und auch die Kohlenpreise schnellten in die Höhe und gefährdeten die Wettbewerbsfähigkeit des Siedesalzes in bis dahin noch kaum gekanntem Maße. Kein Wunder, dass man sich Gedanken über die Umstellung auf ein billigeres Herstellungsverfahren machte.

Schließlich erinnerte man sich an die Sonnensalzbereitung in den südlichen Ländern sowie an die Anfangsjahre der Saline, als auch in Rappenau versucht worden war, die Sole an der Sonne zu verdunsten und somit Salz auf natürlichem Wege zu gewinnen. So soll (nach Hans Vogt) 1831 auf der Rappenauer Saline ein „Trockenkanal zur Bereitung von Salz im Freien“ ausgehoben worden sein. Bei fehlender günstiger Witterung soll damals sogar versucht worden sein, die Abdämpfe aus den Siedehäusern zur Sonnensalzanlage zu leiten, um dadurch die Verdunstung und somit die Salzausscheidung zu beschleunigen. Rentierlich scheint dies nicht gewesen zu sein, denn bereits 1837 ermächtigte die Direktion der Salinen-, Berg- und Hüttenwerke die Salinenverwaltung, alle diesbezüglichen Einrichtungen abzutragen und das noch brauchbare Material zu anderen Zwecken zu verwenden.

Die Idee wurde dann 1954 vom damaligen Salinendirektor Dr. Lotz wieder aufgegriffen. Er ließ die Sole auf bewegliche Bänder gleiten, wobei das Wasser verdunstete und Salz auskristallisierte. Auf diese Art konnten täglich – vorausgesetzt, das Wetter spielte mit – bis zu 3 Tonnen Sonnensalz fabriziert werden, das hauptsächlich als Badesalz und Inhalationssalz Verwendung fand. Es ist unter der Bezeichnung DÜRA-Sol vertrieben worden. Da die Grundfläche der Anlage 2.975 m² betrug, entsprach das einer Tagesproduktion von 1 kg pro m².

Die Sonnensalzanlage bestand aus 28 Kunststoffbändern, von denen jedes 85 cm breit und 125 m lang war. Jeweils 4 Bänder waren zu einer „Bändergruppe“ zusammengefasst und drehten sich um eine Antriebswelle mit einer Geschwindigkeit von ca. 3 m pro Minute. Am Ostende der Anlage wurde die Sole von Düsen auf die beweglichen Bänder gesprüht. Um die Absorption der Sonnenenergie und somit die Verdunstungsgeschwindigkeit zu erhöhen, hatte man die Bänder schwarz angestrichen. Dies ermöglichte ihre Erhitzung bis auf 60°C.

Nach Verdunstung des in der Sole enthaltenen Wassers blieb eine dünne Salzkruste zurück. Am gegenüberliegenden Ende war eine sogenannte Abstreifwalze in Betrieb, die das Salz auf ein Förderband „abschlug“. Auf diesem gelangte das fertig getrocknete Salz dann in den in der Mitte des geräumigen Salinenhofs befindlichen Verpackungsraum, der im ehemaligen Kantinengebäude (auch als Feierabendheim bekannt) untergebracht war. 

Zugleich wurde die Anlage, die bis 1964 in Betrieb stand, auch als Freiluftinhalatorium genutzt. Die von 28 Düsen auf die Kunststoffbänder versprühte Sole reicherte nämlich die Luft mit fein pulverisierten Salzpartikeln an. Die „Salzluft“ in der Nähe der Anlage war an ihrem eigentümlichen Geruch, der große Ähnlichkeit mit der Seeluft aufwies, erkennbar und stellte ein nicht zu unterschätzendes Heilmittel insbesondere bei chronischen Leiden der Atmungsorgane dar.

Dennoch war die Rappenauer Sonnensalzanlage auf die Dauer wirtschaftlich nicht tragbar. Bei der Eindunstung der Sole in Sonnensalzanlagen kommt die weitaus wichtigste Rolle der Menge der eingestrahlten Sonnenenergie zu. In unseren Breiten ist aber die Zahl der sonnigen Tage leider begrenzt. Auch gegen plötzlich aufkommende Sturmböen waren die Kunststoffbänder sehr anfällig. 1964 ist daher die Anlage aus Rentabilitätsgründen stillgelegt und nach Marokko verkauft worden.

Aus: Michael Konnerth, Die Rappenauer Saline und ihre Geschichte

 

 
 
 
 
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