• Wasserschloss Bad Rappenau

    Wasserschloss Bad Rappenau Nacht

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Beim Bau von Siedehaus 5 ereignete sich ein schwerer Unfall. Die „Volksstimme“ in Mannheim schrieb über den Unfallhergang am 12. Juli 1900:

„Ein schwerer Unglücksfall hat sich am 10. des Monats auf der Großherzoglichen Staatssaline Rappenau, einer staatlichen Baustelle, zugetragen. Einige Arbeiter waren im Begriff, einen schweren Stein auf das Gerüst zu schaffen, als das selbe, viel zu leicht gebaut, zusammenstürzte. 8 Mann wurden dabei verletzt, darunter 2 schwer.“

Aus einem Bericht der Bezirksbauinspektion Heidelberg erfahren wir auch weitere Einzelheiten. Diesem zufolge war zur Zeit des Unfalls der Bau bis zur Fensterhöhe des 1. Obergeschosses gediehen.

„Die Arbeiter, unter denen sich auch italienische Gastarbeiter befanden, wollten einen etwa 5 Zentner schweren Sandstein an der südlichen Ecke in der Höhe der Fensterbank des Obergeschosses versetzen und hatten hierzu den Weg über das äußere Gerüst gewählt.

Sechs Arbeiter trugen den Stein, ein Arbeiter ging voraus, um den Weg zu ebnen, ein anderer hinterher. In der Mitte des Ostgiebels bricht das Gerüst zusammen, infolgedessen die 8 Mann mit dem Stein, der Gerüstbelag, einige Bausteine und ein Mörtelkasten aus einer Höhe von 5,5 Meter hinunterstürzten. Vier Arbeiter wurden dabei schwer verletzt, zwei wurden schon am gleichen Tag in die chirurgische Klinik Heidelberg gebracht, wo der ledige Maurer Christian Schmidt aus Kochendorf bereits in der darauffolgenden Nacht an den erlittenen Verletzungen starb“.

Zunächst wurde die Bauinspektion Heidelberg beschuldigt, sie sei ihren Aufgaben als Oberaufsichtsbehörde nicht nachgekommen. Dann schob man die Schuld der Salinenverwaltung zu, die eigentlich den Bau ausführte. Gegen den Werkmeister Franz Dörr wurde von der Staatsanwaltschaft Heidelberg wegen fahrlässiger Tötung bzw. fahrlässiger Körperverletzung mit Übertretung seiner Bauaufsicht Antrag auf gerichtliche Voruntersuchung gestellt, da dieser verdächtigt wurde, die Hauptschuld am Gerüsteinsturz zu tragen.

Bis zuletzt wurde die Hauptschuld jedoch den Verunglückten selbst zugeschrieben; als Grund dafür wurde geltend gemacht, diese hätten nicht auf Anordnung des Aufsehers gehandelt. Dieser, wiederum, ließ sich während der vom Landgericht vorgenommenen Untersuchung in einer psychiatrischen Klinik behandeln.

Aus: Michael Konnerth, Die Rappenauer Saline und ihre Geschichte

 

 
 
 
 
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