• Wasserschloss Bad Rappenau

    Wasserschloss Bad Rappenau Nacht

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Nach Entdeckung des Salzlagers entstanden in rascher Folge die für den Salinenbetrieb notwendigen Bauten. Als Standort wählte man die östlich vom damaligen Dorf Rappenau langsam ansteigende Hochfläche des Schwärzberg, der sich wegen seiner topographischen Beschaffenheit geradezu als ideales Baugelände anbot. Gegenüber der engen Talmulde am Einsiedelwald, wo man räumlichen Beschränkungen unterworfen war, bot die Weite des Plateaus den Vorteil, dass man sich nach allen Seiten ungehemmt ausbreiten konnte.

Auf diesem weiträumigen Plateau wurde ab dem 27. Mai 1823, als die Grundsteinlegung zur großherzoglichen „Ludwigssaline bey Rappenau“ erfolgt war, in knapp 4 Jahren eine großzügige Anlage geschaffen, die bei den Besuchern von Anfang an Bewunderung hervorrief.

Die Anlage war im klassizistischen Baustil streng symmetrisch angeordnet. Die Mittelachse wurde von der von Westen in das Werkgelände hineinführenden Salinenstraße und den beiden Solebehältern gebildet. Die Hauptgebäude gruppierten sich um eine rechteckige 200 x 150 m große Hoffläche. An den beiden Längsseiten des Rechtecks standen die Siedehäuser und das große Salzmagazin, während die beiden Schmalseiten von den Verwaltungs- bzw. Wohngebäuden eingenommen wurden. Von Westen wurde die Anlage vom Salinenwirtshaus und dem gleichgestalteten Wirtschaftsgebäude eingeschlossen.

Mit der Ausarbeitung der Entwürfe für die Saline und der Leitung der Bauarbeiten beauftragte der Großherzog den Militärbaudirektor Friedrich Arnold, Neffe des berühmten Karlsruher Architekten und Städtebauers Friedrich Weinbrenner, dessen Meisterschule er besuchte. Er hatte auch schon die Entwürfe zum Bau der Saline in Dürrheim gefertigt. Der ursprüngliche – leider undatierte - Entwurf der Rappenauer Salinenanlagen ist betitelt mit „Entwurf zur neuen Ludwigs Saline bey Rappenau“ und stammt offensichtlich aus der ersten Hälfte des Jahres 1823. Aus einer Denkschrift vom 3. März 1823 geht hervor, dass Arnold gemeinsam mit Inspektor Rosentritt „möglichst bald die Pläne des Saline-Etablissement zu Rappenau entwerfen und vorlegen wird“.

Es war Militärbaudirektor Arnold zweifellos gelungen, eine in ihrem Gesamtkonzept großzügige und in sich abgeschlossene Anlage von ausgewogener Symmetrie und seltener Schönheit zu schaffen. Sie gehörte zu den formvollendetsten und baulich mustergültigsten Industrieanlagen jener Zeit.

Bei allen späteren Um- und Neubauten hat man sich im Wesentlichen an Arnolds Konzeption gehalten, so dass das Gesamtbild der Anlage bis zum Tage des Abrisses unverändert blieb.

In mehreren Reisebeschreibungen und authentischen Berichten wird uns der landschaftliche Reiz, den die Saline ausstrahlte, übermittelt. Bereits 1825 schrieb Finanzrat Beger in Karlsruhe nach der Besichtigung der Saline: „Anlage und Ausführung reißen zur Bewunderung hin“. In Steins Neckarreise von 1843 heißt es: „Bei dem Ausgange aus dem Walde treten uns plötzlich, einer festen Citadelle ähnlich, die imposanten Gebäude der badischen Ludwigssaline entgegen. Oben angelangt, macht die regelmäßige Verteilung der Hofgebäude, Magazine und Siedehäuser und ihre gefällige Bauart einen höchst angenehmen Eindruck“. 4 Jahre später vermerkt das Universallexikon vom Großherzogtum Baden: „Die Gebäude der Saline bilden ein schönes Ganzes“.

Auch die 1927 – 1936 geschaffene Neuanlage fügte sich unaufdringlich in das Gesamtbild der Saline ein. Das langgestreckte, in der Mittelachse des Nordflügels gelegene Zentralmagazin, links und rechts von den Betriebs- und Fabrikationsgebäuden eingeschlossen – unterstrich die symmetrische Verteilung der neuen Anlage und ließ diese noch mehr in Erscheinung treten. Es war dem Architekten zweifellos gelungen, sowohl die funktionalen Ansprüche, die ein moderner Betrieb stellte, als auch den Erhalt der ursprünglichen Romantik der Anlage in Übereinstimmung zu bringen.

Kein Wunder, dass sich die damalige Presse zur Bewunderung hinreißen ließ, man habe es bei der Rappenauer Saline mit „einer Vermählung von Zweck und Schönheit“ zu tun.

Aus: Michael Konnerth

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