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Am 25.08.1823 wurden, nachdem am 27.05.1823 in geradezu hektischer Eile mit der Errichtung provisorischer Salinengebäude begonnen worden war, unter den Pfannen die Feuer angezündet und damit der erste Sud eingeleitet. Aus dem ersten Sudprodukt wurde ein Kistchen mit Salz gefüllt und dem Großherzog geschickt.

Wie lief ein solcher Siedebetrieb damals ab? 

Die in den Solereservoiren gespeicherte und von fremden Beimengungen gereinigte Sole leitete man in die großen Pfannen der Siedehäuser, wo sie zu Salz versotten wurden. Im Prinzip ging es dabei darum, das in der Sole enthaltene Wasser zu verdampfen. Bei der Rappenauer Saline waren im höheren Mittelschiff die Siedepfannen untergebracht, während die Seitenschiffe zur Trocknung des Salzes dienten.

Ursprünglich war jedes der 3 Siedehäuser mit jeweils 5 Pfannen ausgerüstet, die aus einzelnen Eisenblechen in der salineneigenen Pfannenschmiede zusammengenietet wurden. Die Fugen zwischen den Blechen wurden mit einem Gemisch aus Kalk, Asche und Sole abgedichtet. In den noch weichen Kitt drückte man zusätzlich Werg ein. Anfangs waren die Pfannen 30 Fuß (= 9 m) lang, 24 Fuß (= 7,2 m) breit und 1,5 Fuß (= 0,45 m) tief. Größe und Zahl der Pfannen änderten sich mehrfach, ebenso die der Siedehäuser.

1825 verfügte die Saline über 15 Pfannen in 3 Siedehäusern mit einer Siedefläche von 10.800 neubadische Quadratfuß (= 972 m²). 1843 betrug die Pfannenfläche bei gleichbleibender Pfannenzahl bereits 11.428 Quadratfuß (=1028,52 m²) und nahm in den darauffolgenden Jahren ständig zu.

Die Pfanne befand sich auf einem gemauerten, ca. 75 cm hohen Herd, der mit 2 Rostfeuerungen versehen war. Von der Feuerstelle leitete man die Feuergase in mehrfachen Zügen (in sog. Zirkulierherden) unter den Pfannen entlang, wodurch eine gleichmäßige Erwärmung erreicht wurde. Später leitete man die Flammengase noch unter die Trockenherde.

Das eigentliche Sieden bestand aus 2 Arbeitsgängen, dem Stören und dem Soggen. 

Das Stören diente gleichermaßen dem Vorwärmen wie dem vollständigen Reinigen der Sole. Zunächst wurde langsam angeheizt, dann durch heftiges Feuer aufgekocht, wobei sich innerhalb weniger Minuten die letzten fremden Beimengungen als schmutziger Schlamm an der Flüssigkeits-Oberfläche ansammelten, der sofort abgeschöpft wurde. Die Schlamm- oder Schaumbildung konnte durch Zugabe von Blut oder Eiweiß gefördert werden, und mit diesem Schaum sind nach dem Prinzip der Flotation vor allem die feinteiligen Feststoffe entfernt worden. In der Sole enthaltener Kalk und Anhydrit hingegen brannten als Pfannenstein am Boden der Siedepfanne fest. Das Ende der Störphase erkannten die Sieder am Auftreten der ersten Salzkristalle.

In der Phase des Soggens wurde die nun völlig reine Sole über kleinem, ruhigem Feuer zum Eindampfen gebracht, wobei man mehrmals Sole nachfüllte. Durch Verdampfen des Lösungswassers wurde eine so hohe Konzentration erreicht, dass nach Überschreiten des Sättigungspunktes die allmähliche Ausfällung des Salzes einsetzte. Zuerst bildeten sich an der Oberfläche feine Salzhäute, die aus hohlen, mit der Spitze nach unten weisenden, aus feinen Salzkristallen zusammengefügten Pyramiden bestanden. Diese setzten sich dann ab einer bestimmten Stärke von allein infolge der Schwere am Pfannenboden ab. Die Temperatur beim Soggen wurde konstant gehalten und lag in der Regel bei ca. 80° bis 90°C. Je tiefer die Temperatur unterhalb des Siedepunktes lag, umso größer wurden die Salzkristalle.

Das am Pfannenboden abgesetzte Salz wurde von beiden Pfannenlängsseiten aus mit langstieligen, gelochten Krücken, die bis zur Pfannenmitte reichten, aus der heißen Sole an den Pfannenrand gezogen und mit ebenfalls durchlochten Schaufeln auf den Pfannenmantel geworfen. Hier konnte das Salz austropfen und die Lauge wieder in die Pfanne zurücklaufen.

Das Ausziehen des Salzes erfolgte, je nach Dauer des Sudes, in 12-, 24-, 48-, 72- oder 96stündigem Rhythmus. Von der Dauer des Sudes hing die unterschiedliche Körnung des Salzes ab. Grobkörniges Salz konnte nur durch langsames Erhitzen der Sole, im sogenannten „kalten Betrieb“ (Dauer des Suds: 72 oder 96 Stunden) gesotten werden. Beim sogenannten „heißen Betrieb“ (Dauer eines Suds: 48, 24 oder nur 12 Stunden) erzielte man zwar mehr Salz als beim „kalten Betrieb“, allein es fiel bedeutend weniger grobes Salz aus und bei 24- und 12-stündiger Siedezeit beinahe ausschließlich feinkörniges Salz.

Ursprünglich waren in Rappenau nur Feuerpfannen in Betrieb. Sie wurden mit Holz und Torf, später auch mit Kohlen geheizt. Von 1846 an führte man auf der Saline die ersten Dampfpfannen ein. Diese lieferten aber im Vergleich zu den Feuerpfannen sehr wenig Salz, weshalb sie ab 1868 wieder verschwanden und durch die viel leistungsfähigeren Feuerpfannen ersetzt wurden.

Anfangs trocknete man Salz in Körben aus Weidenrutengeflecht. 1826 gab die Saline für die Anschaffung von 1.800 Körben zu je 212 Kreuzer 360 Gulden aus. Zunächst füllte man das nasse Salz in die auf dem Pfannenmantel stehenden Körbe, wo es abtropfen konnte. Zur weiteren Trocknung gelangten die Körbe dann in die Trockenkammern, die in den Seitenschiffen der Siedehäuser eingerichtet waren. Die Korbtrocknung blieb aber unvollständig und war sehr teuer. 1862 wurde die Korbtrocknung vollständig aufgegeben und durch die viel bessere und vor allem billigere Herdtrocknung ersetzt. Der Feuchtigkeitsgrad des Salzes konnte jetzt auf unter 1% gesenkt und damit ein schüttfähiges Salz erzeugt werden.

Auf die Trockenherde wurde das Salz von den Siedern mit geflochtenen Rückentragekörben, den sog. Kezen, gebracht, die ca. 20 Pfund schwer waren und 150 bis 170 Pfund fassten. Hier breitete man das Salz in dünnen Schichten aus und beschleunigte durch wiederholtes Wenden und Auflockern den Trockenvorgang. Zum Zerkleinern des Salzes wurden auch Metallwalzen verwendet, die barfüßige Sieder hinter sich herzogen. Nach vollständiger Trocknung trugen die Sieder mit denselben Rückenkörben das Salz dann in die neben den Siedehäusern stehenden Lagerräume, wo es gesiebt, gewogen und zum Versand verpackt wurde. Die ersten mechanischen Transportvorrichtungen wurden im Jahr 1896 eingeführt.

Aus: Michael Konnerth, Die Rappenauer Saline und ihre Geschichte

 

 
 
 
 
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