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Der Meißel trifft aufs Salzlager – Vollgesättigte Sole am 12.09. in einer Tiefe von rund 175 m gefördert

Ungeachtet der Schwierigkeiten, die während der am 23. Februar 1822 begonnen Bohrung auftraten, fuhr Rosentritt mit den Bohrungen fort. Schließlich stieg in der Nacht vom 09. auf den 10. September 1822 der Salzgehalt des im Bohrloch stehenden Wassers plötzlich von 4 auf 16 Grad und am 12. September schließlich auf 28 Grad. Bei 539 Pariser Fuß (=175,08 m) hatte man das mächtige Steinsalzlager angebohrt und dadurch eine gesättigte Sole gefunden.

Als der Bohrtrupp auf Salz stieß, befand sich Rosentritt in Haßmersheim, wo ebenfalls eine Bohrung niedergebracht wurde. Seine Leute unterbrachen die Bohrarbeiten, um weitere Befehle des Inspektors abzuwarten. Sie überließen sich der Freude über einen so glücklichen Erfolg – wie später Rosentritt berichtete – „an welchem alle Einwohner von Rappenau den herzlichsten Anteil nahmen“.

Aus Haßmersheim zurückgekehrt, ließ Rosentritt in der darauffolgenden Nacht die Bohrung um weitere 2 Pariser Fuß 10 Zoll (=92,10 cm) vorantreiben. 

Der am Morgen des 11. September heraufgeholte Bohrschmand bestand „aus purem Steinsalz, das nur durch den von so vielen Bohrstangen abgeriebenen Schleim einigermaßen verunreinigt war“.

Höchsterfreut ließ Rosentritt noch am selben Tag dem Geheimen Kriegsrat des Großherzogs in Karlsruhe durch den von ihm hochgeschätzten Mechanikus Ott die freudige Botschaft überbringen: „Ich eile Euer Hochwohlgeboren, die wichtige Nachricht zu geben, daß meine am 8. dieses Monats geäußerten Vermutungen eines nahen glücklichen Erfolgs sich schnell und der höchsten Erwartung gemäß realisiert haben“. 

Nachdem er kurz auf die Ereignisse am Vortag eingegangen war, berichtete der glückliche Inspektor voller Stolz, dass die beträchtliche Teufe von 543 Pariser Fuß (=176,38 m) in nur 6 Monaten und 18 Tagen erreicht wurde, „da wir den 23. Februar abends 6.00 Uhr zu bohren angefangen haben“.

Im selben Schreiben werden auch kurz die Gründe dieses so schnellen Erfolgs genannt: „Die von dem geschickten Mechanikus Ott gelieferten und vorzüglichen Bohrwerkzeuge haben einen großen Anteil an diesem so schnellen Erfolg; ich hielt es daher für Pflicht, durch ihn die erste Nachricht von einem so wichtigen Resultat abzuschicken. Auch bin ich dem außerordentlichen Eifer und der musterhaften Treue unserer braven Rappenauer Arbeiter alles Lob und allen Dank schuldig.“

Wie aus demselben Bericht zu entnehmen ist, nahm Ott auch vier Krüge mit Rappenauer Sole mit, um sie in Karlsruhe chemisch untersuchen zu lassen.

Bereits am 14. September ging ein neues Schreiben nach Karlsruhe ab. Aus ihm geht hervor, dass nun schon 14 Pariser Fuß (=4,54 m) in ununterbrochenem Steinsalz gebohrt wurde, das nur mit etwas Ton oder sogenanntem Salzton vermischt war. „24 Fuß (=7,79 m) muß ich in das Steinsalz bohren, weil das Saugrohr der einzusetzenden Pumpe wenigstens 10 bis 11 Fuß (= 3,24 bis 3,54m) in das Steinsalz eingelassen werden und unter demselben noch hinlänglicher Spielraum sein muß“.

Im selben Schreiben empfahl Rosentritt, in geringer Entfernung vom Fundbohrloch sofort „bei der guten Witterung und Jahreszeit hier in Rappenau“ ein zweites Bohrloch niederzubringen.

Mit Recht wird Rosentritt als eine Schlüsselfigur der Salzsuche am unteren Neckar angesehen. Als erstem war es ihm gelungen, in derartiger Tiefe ein in seiner Mächtigkeit beinahe unerschöpfliches Salzlager in so kurzer Zeit zu erbohren. Bilfinger hatte für die 150 m tiefe Jagstfelder Bohrung 4 Jahre benötigt. Er hatte allerdings den Auftrag, langsam vorzugehen und alle geologischen Einzelheiten festzuhalten. Glenk schaffte in Wimpfen in 10 Monaten 142 m. Rosentritt hingegen beendete seine 177 m tiefe Fundbohrung nach nur 6 Monaten und 18 Tagen. Setzt man die Bohrdauer mit der erreichten Bohrtiefe ins Verhältnis, so betrug die monatliche Bohrleistung in Jagstfeld 3,4 m, in Wimpfen 14,2 m und in Rappenau sogar 27,6 m, wobei zu beachten ist, dass Tag und Nacht rund um die Uhr gearbeitet wurde.

Zwei Faktoren scheinen für die vergleichsweise kurze Bohrzeit Rosentritts ausschlaggebend gewesen zu sein. Zum einen besaß er aus den vorangegangenen Tiefbohrungen am unteren Neckar schon ziemlich genaue Kenntnisse über die geologische Struktur des Untergrundes. Zum anderen konnten auch bedeutende Verbesserungen in der Bohrtechnik genutzt werden.

Aus: Michael Konnerth, Die Rappenauer Saline und ihre Geschichte

 
 
 
 
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