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Von Erich Schuh

Zwei alte Rappenauer haben mir einiges aus der Saline anvertraut, dass nicht im Salinenbuch von Michael Konnerth zu lesen ist.                

So war es die Geschichte des Kaminbaus für die neue Saline, die in den Jahren 1927 – 1935 errichtet wurde. Otto Kirrstetter, der mit seinen Eltern „auf der Saline“ wohnte, hat als Junge vom Küchenfenster aus die Kaminbauarbeiten beobachten können. Das linke Offizianten - Haus und darin die nördliche Wohnung, die den Kaminen am nächsten lag, war seine Zuschauertribüne. So konnte er das Geschehen verfolgen, wie die Kamine in die Höhe gewachsen sind. Es war ja schließlich etwas ganz Außergewöhnliches. So etwas sieht man nur einmal im Leben. Und da muss man genau hinschauen, dachte sich der kleine Otto.  Je höher die Kamine wuchsen, umso interessanter wurde das Spektakel. Immerhin, 60 Meter sollten sie in den Rappenauer Himmel ragen.   

Als in diesen Jahren die neue Saline errichtet wurde, benötigte man zwei große Kamine; je einen für den A – Bau und ebenso für den B – Bau. Da das gesamte Gebäude spiegelgleich gebaut wurde entstand ein einmaliges Ensemble. Nur die Innenausstattung der beiden Siedekomplexe war unterschiedlich. Der, von Anfang an, modernere A - Bau bekam Siedepfannen mit automatischem Salzauszug für Fein- und Speisesalz. Im B – Bau befanden sich Siedepfannen für Grob – Salz, das als Vieh- und Streusalz benutzt wurde. Der Auszug des Salzes wurde von Hand getätigt. Durch die längere Verweildauer des Salzes in der Pfanne entstand das großkristalline Grob – Salz. Alle weitere Verarbeitung des Salzes fand im mittleren, 70 Meter langen, Zentralbau statt. Die Zentrifugen und Bandtrockner, die mit der Abwärme der Befeuerung beschickt wurden, bereiteten das Salz zur Verpackung vor. Das Speisesalz wurde bis zur Endverpackung von keiner menschlichen Hand berührt. Das Grob – Salz wurde über Förderanlagen in große Trichter geleitet, um die Sackware abzufüllen. Die gesamte Lagerung des fertigen Salzes war im Zentralbau untergebracht. So konnte das Salz direkt über Laderampen in die Güterwaggons oder LKWs verladen werden.                               

Um solche Kamine zu erstellen, benötigte man echte Fachleute. Schließlich musste bei einem runden Kamin dieser Höhe jeder Steinkranz seine eigene Krümmung aufweisen. Nach oben hin bedurfte es die Einberechnung einer Verjüngung. So wiesen die Steine im oberen Bereich ein anderes Maß auf als die unteren Grundsteine. Man kann schon von einer Kaminbaukunst sprechen. Kleine Familienbetriebe waren es, die diese Handwerkskunst beherrschten. Im Rappenauer Fall war es ein Vater mit seinen zwei Söhnen. Otto sah, wie das Außengerüst mit dem Wachsen der Kamine nach oben mitwanderte. Im Inneren des Kamins hatte man ein Fangnetz angebracht, damit nach Innen abstürzende Gegenstände nicht nach unten fallen konnten. Aber auch die Kaminbauer sollten dadurch geschützt werden. Mit einem Lotterrad wurde an einem langen Seil das Baumaterial nach oben gezogen. Dabei kam auch manches Fässchen Bier der Brauerei Häffner mit nach oben. Doch welch eine Erkenntnis: Ein Kamin zeigte sich in Schieflage. Er musste bis zur Abweichung wieder zurückgebaut werden. Bei diesem Rückbau, so berichtet Otto Kirrstetter, traf die Spitzhacke einen der Kaminbauer am Kopf. Blutüberströmt fiel er ins Innennetz. In aller Eile wurde er in die Vulpius - Klinik gebracht, dort „verarztet“ und…... Tags darauf gingen die Bauarbeiten weiter. Mit einem Unterschied: Einer von den Dreien trug einen weißen Turban. Und beim wiederholten und gelungenen Aufbau war wieder alles beim Alten. Kaminsteine, Mörtel und das tägliche Fässchen Häffner Bier wanderten wie gewohnt nach oben bis zum Abschluss der Arbeiten.                                   

Wir etwas jüngeren Rappenauer kannten nur zwei schnurgerade Kamine der Saline, die wie Fingerzeige in den Himmel ragten. Nach der Stilllegung der Saline wurden die Kamine am 21.01.1974 gesprengt. Damit wurde ein Wahrzeichen Bad Rappenaus niedergelegt, das weithin sichtbar war und auch geografisch als Orientierung diente.

In einer zweiten von Erich Schuh aufgeschriebenen Geschichte wird uns Herbert Künzel bald etwas über die technische Befeuerung der Saline und der Siedepfannen erzählen…

 
 
 
 
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