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Von Erich Schuh

In einer zweiten Geschichte wird uns Herbert Künzel etwas über die technische Befeuerung der Saline und der Siedepfannen erzählen. Als Heizungsbauer arbeitete er vor seiner eigenen Betriebseröffnung bei der Firma Stark und Hartmann aus Heilbronn. Diese Firma hatte alle heiztechnischen Arbeiten in der Saline zu verrichten. So kam es, dass Herbert Künzel oft Monate am Stück in der Saline arbeitete. Er hat sich als echter Kenner der Anlage erwiesen. Dies war in den 50er und Anfang der 60er Jahre.                                                                             Ihm ist noch in Erinnerung, dass die Salzsieder – das waren die Arbeiter direkt an der Siedepfanne – öfter Knackwürste oder Ringschinkenwurst dabeihatten, um zur Vesperzeit diese in der Siedepfanne zu erhitzen. Gemeinsam wurde das Gut verspeist. In der Rettich–Zeit brachten die Saliner zusätzlich große, weiße Rettiche mit, die ebenfalls in der Siedepfanne erwärmt wurden. Das war wohl ein besonderer Genuss. Eher wurde der Rettich nur kurz eingetaucht, um ihm den Salzgeschmack zu verleihen.                                                                                                 

Nun gehen wir zur Wurffeuerung. Diese wurde ab 1933 eingerichtet. Seit der Einführung dieser Neuerung mussten die Heizer nur noch die großen Kohletrichter vor den Feuerungen befüllen. Die Wurfanlage war mit einem starken Spannfedersystem ausgestattet, das die Kohle in vorher bestimmten Zeiträumen portioniert in den Feuerraum unter der Siedepfanne schleuderte. Da der Feuerraum eine beträchtliche Länge hatte, mussten an den Spannfedern unterschiedliche Spannungen erzeugt werden, um die Kohlenmenge in den hinteren, mittleren oder vorderen Brennraum zu schleudern. So waren eine gleichmäßige Glut und Hitze gewährleistet. Das Auslösen dieser Wurffeuerungsanlage sorgte für einen ohrenbetäubenden Lärm.  

Ab 1957 wurde auf Schwerölfeuerung umgestellt. Dies war nun die herausfordernde Zeit von Herbert Künzel. Denn Schweröl zu verheizen hat seine eigene Problematik, die gelöst werden musste. Da Schweröl ein Abfallprodukt der Raffinerien ist, eignet es sich im anfallenden Zustand nicht zum Heizen. Es war stark schwefelhaltig und sehr preiswert. Gelagert wurde es dort, wo man zuvor die Steinkohle bunkerte. Um es brennfähig zu machen, musste es dort erwärmt werden. Das geschah folgendermaßen: Zwei Rohre mit einem Durchmesser von 50 oder 60 mm wurden am großen Flammrohr vorbei in den Brennraum geführt. Dort wurden die Rohre, die mit einem Trägeröl befüllt waren, auf 120 bis 140 ° C erhitzt. Eine Pumpe beförderte das heiße Öl durch die Rohre in den Vorratsbereich. So wurde das Schweröl fließfähig gemacht. Das abgekühlte Trägeröl wurde im Rücklauf wieder in den Brennraum transportiert. Und schon war im Jahre 1957 ein echtes Zwei-Rohr-Wärmetauscher-Prinzip geboren.

Und wie wurde das Salinenamtsgebäude geheizt? Ab dem Jahre 1933 erfolgte die Beheizung über Fernwärme. Die Feuerungsanlagen der neuen Sudhäuser machten es möglich. Es war in den Brennräumen genügend Wärme vorhanden, so hat man das Direktionsgebäude kurzerhand an die Fernwärme angeschlossen. Zwei wasserführende Rohrleitungen mit dem Durchmesser von 50 oder 60 mm wurden von der Befeuerungsanlage ins Direktionsgebäude verlegt, natürlich ohne Isolierung, einfach so ins Erdreich. Wärme war ja genügend da. Ob die Beamtenhäuser auch angeschlossen wurden ist nicht bekannt.                                     

Das war aber noch nicht die Spitze der heiztechnischen Möglichkeiten, die die Saline bot. Anfang der 60er Jahre zog Direktor Dr. Tippmann ins Obergeschoss des Direktionsgebäudes mit seiner Familie ein. Er hatte mit seiner Frau zwei Mädchen und einen Jungen. Dr. Tippmann hatte große Pläne für sein neues Domizil. Das Direktionsgebäude hatte einen großen Gewölbekeller. Mit dem ließe sich sicher was anfangen. Gesagt – Getan! Es wurde geplant. Dort sollte ein Hallenbad entstehen. Natürlich nur für die Familie des Direktors. Das Projekt wurde geplant und begonnen. Die Fliesenarbeiten waren schon weit fortgeschritten, Wärmetauscher und Schwimmbadtechnik waren teils schon installiert. Da wurde der Herr Direktor versetzt nach Stade in Norddeutschland. Das Projekt des Bades ist eingeschlafen und wurde nie realisiert. Später mussten die Installationen zurückgebaut werden. Ein Schrotthändler hat sich am „Alteisen“ erfreut.

Den Erfahrungsschatz, den Herbert Künzel in seiner „Salinenzeit“ gesammelt hat, konnte er in seiner Zeit als selbstständiger Heizungsbaumeister gut verwerten, denn Zentralheizungsanlagen kamen im beginnenden Bauboom erst richtig zum Zuge.

In einer dritten Geschichte wird demnächst über die Bahnlinie der Saline berichtet...

 
 
 
 
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