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Georg-Christian Henrich Rosentritt war Salineninspektor und Entdecker des Rappenauer Salzlagers. Geboren wurde er am 29.09.1759 in Dürkheim als 9. von 10 Kindern (7 Mädchen und 3 Jungen) des Dürkheimer Salineninspektors Berthold Christian Rosentritt und dessen Ehefrau Susanna Henrietha. Fünf seiner Geschwister starben schon im Alter von nur rund 3 und 8 Monaten bzw. 5 und 17 Jahren. Seine Mutter starb bereits 14 Monate nach seiner Geburt, am 07.12.1760, im Alter von nur 31 Jahren bei der Geburt ihres 10. Kindes. Der Vater heiratete nicht mehr, er starb 1790 im stolzen Alter von 79 Jahren. Über die Kindheit und die Ausbildung Rosentritts ist kaum etwas bekannt. 

Von 1787 bis 1809 war er technischer Direktor der nordelsässischen Gradiersaline Soultz-sous-Forets und anschließend bis 1821 Leiter des Asphaltwerkes im benachbarten Lobsann. Danach arbeitete er mehrere Jahre als Salineninspektor auf der Dürkheimer Gradiersaline, bevor ihm am 08. November 1821 im Alter von bereits 62 Jahren die Konzession der badischen Regierung zu Bohrversuchen nach Salz in der Gemeinde Rappenau erteilt wurde. 

1822 hielt sich Rosentritt in Rappenau auf und legte die Bohrstelle fest, genau dort, wo heute das historische Tretrad steht. Es wurde ein 10-Punkte-Vertrag im Rappenauer Schloss abgeschlossen und eine Aktiengesellschaft zur Finanzierung der Versuchsbohrung, die ca. 4.000 Gulden kosten sollte, gegründet. Diese bestand aus 8 Mitgliedern, die je 500 Gulden einbrachten. Man begann mit den Arbeiten zur Versuchsbohrung und bohrte in der Nacht vom 09. auf den 10. September in einer Tiefe von 176,38 m eine starke Salzquelle an. Diese Tiefe wurde von Rosentritt in nur 6 Monaten und 18 Tagen erreicht!

Mit Recht wird Rosentritt als eine Schlüsselfigur der Salzsuche am Unteren Neckar angesehen. Als erstem war es ihm gelungen, in derartiger Tiefe ein in seiner Mächtigkeit beinahe unerschöpfliches Salzlager in so kurzer Zeit zu erbohren. Bilfinger hatte für die 142 m tiefe Jagstfelder Bohrung fast vier Jahre benötigt. Glenck schaffte in Wimpfen in 10 Monaten 134 m.

In den Jahren 1823 – 1842 brachte Rosentritt weitere 5 Bohrungen westlich des Fundbohrlochs nieder. Von 1823 – 1836 war er Salinendirektor in Rappenau. In dieser Zeit wurde die Saline auf dem Schwärzberg errichtet. 1836 wurde Rosentritt pensioniert. Zu seiner Pensionierung wurde ihm als Anerkennung für seine großen Verdienste um die Saline und den Ort vom Gemeinderat das Ehrenbürgerrecht der Gemeinde Rappenau verliehen, er war damit der erste Ehrenbürger unserer Stadt. Später wurde die Rosentrittstraße nach ihm benannt. Als Achtzigjähriger reiste er noch nach England, wo er Tiefbohrungen niederbrachte, die aber erfolglos waren. Ehrenamtlich brachte er zwischen 1839 und 1842 eine weitere Bohrung (Bohrloch Nr. 6) auf der Saline nieder, wobei er das Bohrgut genauestens untersuchte und das Salzlager in drei Schichten einteilte. Eine Einteilung, die auch heute im Zeitalter der computergestützten Schichtenermittlungen noch immer gültig ist. Rosentritt starb ledig am 02.05.1846. Ob er bis zu seinem Tod im damaligen Direktionsgebäude der Saline (heute Saline 1) wohnte, wo ihm im Obergeschoss eine geräumige 8-Zimmer-Wohnung mit 230 m² Wohnfläche zur Verfügung stand, ist ungewiss. 1832 hatte er aber zwei Zimmer seiner geräumigen Wohnung an Hüttenmeister Franz von Chrismar abgetreten, die bis zu diesem Zeitpunkt vom „Salinenpraktikanten“ Müller bewohnt waren. Auch Salinenarzt Heinrich Fink benutzte ein Zimmer in demselben Stockwerk. 

Bad Rappenau hat seine Entwicklung vom kleinen, ritterschaftlichen Bauerndorf mit 592 Einwohnern zu einer modernen Kur- und Bäderstadt der Entdeckung des Salzlagers durch Rosentritt zu verdanken. Dadurch hat Rosentritt den Grundstein für eine Entwicklung der Gemeinde gelegt, die in ihren Wirkungen und Folgen auch heute noch anhält. Die Saline war der erste und viele Jahrzehnte hindurch der bedeutendste Industriebetrieb unseres Raumes, der hier das Zeitalter der Industrialisierung einleitete und bis zu ihrer Stilllegung 1973 das wirtschaftliche und soziale Leben Rappenaus entscheidend mitgeprägt hat. Mit seinen erfolgreichen Solebohrungen hat Rosentritt auch die Voraussetzungen für den Kurbetrieb geschaffen. Die Sole, die zunächst nur zur Siedesalzgewinnung bestimmt war, ist in Rappenau erstaunlich früh auch zu Heilzwecken genutzt worden. Bereits 1834 fand die Eröffnung des Sophienbades statt, des ersten Solebades im damaligen Großherzogtum Baden. Zudem kann Rosentritt als Pionier unserer sozialen Sicherungssysteme angesehen werden. Bereits 1823 wurde auf der Rappenauer Saline die Sustentationskasse (die Arbeiterunterstützungskasse) als Selbsthilfeeinrichtung ins Leben gerufen. In einer Zeit, wo es noch kein gesetzlich geregeltes System sozialer Sicherheit gab, war die Sustentationskasse Trägerin der Kranken- und Rentenversicherung der auf der Saline beschäftigten Arbeiter. Rosentritts soziales Engagement äußerte sich auch darin, dass er auf der Saline für die Arbeiter- und Beamtenkinder eine Privatschule mit einem tüchtigen, qualifizierten Lehrer ins Leben rief, der aus einem Solidaritätsfonds bezahlt wurde. Diesem steuerte der Salinendirektor jedes Jahr eine Spende von 26 Gulden bei. Schließlich hatte Rosentritt wesentlichen Anteil daran, dass auf der Rappenauer Saline zum Antrieb der Solepumpen bereits 1823 die Dampfkraft und 1837 die Windkraft zum Einsatz kam. Entscheidungsfreude, Risikobereitschaf und ein guter Riecher fürs Machbare im richtigen Moment haben seine großen Erfolge erst möglich gemacht.

Aus: Beiträge von Michael Konnerth im Bad Rappenauer Heimatbote Nr. 8 + 13 

 
 
 
 
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