• Wasserschloss Bad Rappenau

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Johann Ott wurde 1794 wahrscheinlich in der Pfalz geboren und war Mechanikus auf der Rappenauer Saline. Zunächst war er jedoch bis 1822 auf der Dürkheimer Saline beschäftigt. Im Jahr 1825 verstarb seine erste Frau Wilhelmina Ottilia geb. Fitz, Tochter eines wohlhabenden Dürkheimer Kaufmanns im Alter von lediglich 25 Jahren. 1828 erfolgte eine erneute Heirat mit Bertha Mathilda Freiin von Degenfeld-Eulenhof. 

Im Jahr 1822 war er bei der Niederbringung der Fundbohrung Rosentritts beteiligt. Dieser hielt sehr große Stücke auf den Salinenmechanikus. In Rosentritts Schreiben an den Geheimen Rat des Großherzogs vom 11. September 1822 heißt es: „Die von dem geschickten Mechanikus Ott gelieferten und vorzüglichen Bohrwerkzeuge haben einen großen Anteil an diesem so schnellen Erfolg; ich hielt es daher für die Pflicht, durch ihn die erste Nachricht von einem so wichtigen Resultat abzuschicken. Auch bin ich dem außerordentlichen Eifer und der musterhaften Treue unserer braven Rappenauer Arbeiter alles Lob und allen Dank schuldig.“ Wie aus dem selben Bericht zu entnehmen ist, nahm Ott auch vier Krüge mit Rappenauer Sole mit, um sie in Karlsruhe chemisch untersuchen zu lassen.

Mechanikus Ott scheint ein wichtiger Faktor gewesen zu sein, der für die Kürze der Bohrzeit in Rappenau ausschlaggebend war. Er hatte sich als äußerst geschickter Meister in der Herstellung von Bohr- und Fanggeräten erwiesen, die wahrscheinlich zum Teil auf Glenk’sche Modelle zurückgehen. So konnten mit den neuen Fanggeräten gebrochene, im Bohrloch verklemmte Gestängeteile „gefangen“ und gehoben werden. Gestängebrüche waren nämlich bei den damaligen Bohrungen, die durchweg von Hand nach der Freifall-Bohrmethode ausgeführt wurden, sehr häufig und daher die Hauptursache der langen Bohrzeiten. Durch die rasche Behebung solcher Gestängebrüche konnte die Bohrzeit wesentlich gekürzt werden. 

Während seiner Jahre auf der Rappenauer Saline war er mit der Planung und dem Bau der Kraftübertragungsanlage sowie anderer Maschinen und Geräte befasst, die auf der Saline benutzt wurden.

Einen beachtlichen Beitrag hat Ott auch zur Vervollkommnung des Pumpenbaus geleistet. In der salineeigenen Werkstatt wurden unter seiner Leitung nicht nur alle auf der Saline benötigten Pumpen gefertigt, sondern auch an auswärtige Abnehmer geliefert. Otts Bemühungen liefen darauf hinaus, die Fördermengen zu erhöhen und vor allem Kraft zu sparen.

Erfreulicherweise sind dem Stadtarchiv vom Salinenmechanikus Ende der 1830er Jahre gefertigte, kolorierte und maßstabsgerechte Zeichnungen des Pumpenbetriebs und der Kraftübertragung von der Dampfmaschine zu den einzelnen Bohrlöchern erhalten geblieben, die vor allem durch ihre Detailtreue beeindrucken. Ott verfügte nämlich neben praktischen Kenntnissen und einem umfangreichen theoretischen Wissen auch über Fertigkeiten im Zeichnen. Seine Zeichnungen sind so meisterhaft gestaltet, dass wir es hier eigentlich nicht nur mit einer genauen technischen Dokumentation, sondern auch mit einem gelungenen graphischen Kunstwerk zu tun haben.

Die von Mechanikus Ott gebauten Kraftübertragungsanlagen stellen wahre Wunderwerke der damaligen Technik dar. Sie bildeten die Voraussetzung dafür, dass maschinenbetriebene Pumpen zum Einsatz kamen und Kräfte über große Strecken auf mechanischem Wege übertragen werden konnten.

Ott galt zu seiner Zeit als klügster technischer Kopf der Saline. Er hatte u.a. nach viel Detailarbeit mehrere Änderungen an der Dampfmaschine vorgenommen, um ihre Kraft besser nutzen zu können. Es verwundert daher nicht, dass es den leidenschaftlichen Tüftler auch zur Windkraft hinzog. Ott hatte volles Vertrauen in die Leistungsfähigkeit von Windkraftanlagen. Nach seinen Berechnungen konnte eine Windmaschine bei starkem Wind sogar die gesamte Soleförderung gewährleisten. Diese müsste aber entwickelt und verbessert werden. Es gelte vor allem, ihre Anfälligkeit gegen zu große Stürme zu vermindern. Das Projekt kam zunächst jedoch nicht zur Ausführung. Erst zu Beginn der 1840er Jahre nahm Ott das Projekt wieder auf und setzte es dann auch in die Tat um. Dennoch gelang ihm hier letztendlich der eigentliche Durchbruch nicht. Zwar war Otts Windmühle so konstruiert, dass sie sich an verschiedene Windrichtungen sowie in beschränktem Maße auch an unterschiedliche Windstärken anpassen konnte. Ott hat seine pumpenbetriebe Windmühle zum Heben von Trinkwasser aus einem Brunnenschacht im Salinenhof eingesetzt. Leider wies die Windkraftmaschine oft große Windschäden auf, bis zu deren Behebung dann auch die Wasserförderung ruhte. 

Auch im Feuerlöschwesen setzte der versierte Salinenmechanikus seine Fähigkeiten ein. So verfügte die Saline bereits 1824 über eine von ihm angefertigte fahrbare mechanische Feuerspritze anstelle der bescheidenen Handspritzen. Mechanikus Ott hatte in der salineeigenen Werkstatt auch für auswärtige Abnehmer Löschgeräte hergestellt, wie z.B. für das Großherzogliche Badische Kriegsministerium, dem 1827 zwei fahrbare Feuerspritzen geliefert wurden.

Im Jahr 1849 erwarb er das Siegelsbacher Schloss und zog nach Siegelsbach, wo er am 22.04.1852 verstarb.

Der im Jahr 1829 in Rappenau geborene älteste Sohn Hermann August Heinrich Joseph Ott verkaufte 1855 das Schloss in Siegelsbach samt Brauerei, Gastwirtschaft und Ackerland und wurde Salinendirektor in Dürkheim. 1892 stiftete er die Turmuhr für die 1888 erbaute Rappenauer Kirche.

Aus: 

  • Michael Konnerth: Die Rappenauer Saline und ihre Geschichte
  • Marianne Klubitschko: Persönlichkeiten aus Bad Rappenau und den Stadtteilen

 Beitrag1012 Skizze Dampfmaschine

Kolorierte Zeichnung Otts der Dampfmaschine

 
 
 
 
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