• Wasserschloss Bad Rappenau

    Wasserschloss Bad Rappenau Nacht

Die Saline in Bad Rappenau ist nach ihrer Stillegung in den 1970er Jahren nicht spurlos verschwunden. Viele Reste davon sind, vor allem im Salinenpark, erhalten geblieben. Aber auch neuere Dinge erinnern an die vergangenen Zeiten und daran, wie wichtig das Thema Sole heute nach wie vor für unsere Kur- und Bäderstadt ist. 

Hier stellen wir nach und nach einige dieser Sehenswürdigkeiten vor:

Das „Salinenamtsgebäude“, das ehemalige Direktionsgebäude der Rappenauer Saline

Das denkmalgeschützte Gebäude gehört zu den ursprünglichen Gebäuden der Rappenauer Saline und wurde bereits 1823 nach Plänen des Weinbrenner-Schülers Friedrich Arnold und Werkmeister Fritschi errichtet.

Das Direktionsgebäude, auf alten Plänen und in Salinenakten auch „Salinenamtsgebäude“ genannt, war unter den Wohn- und Verwaltungsgebäuden der repräsentativste Bau. Dieser schlossartige Bau mit einem Glockentürmchen auf dem Dachfirst steht auf dem höchsten Punkt an der Ostseite des ehemaligen Salinenhofs und überragte und beherrschte die ganze Anlage. Es handelt sich um einen schlichten zweigeschossigen Bau mit schiefergedecktem Walmdach. Hier kommen die Merkmale der klassizistischen Bauweise, wie sie zwischen 1770 und 1830 angestrebt wurde, klar zum Ausdruck: geometrische Strenge, Einfachheit und Klarheit der Form. Den einzigen Schmuck bilden das an der Eingangsfront über der Dachtraufe angebrachte Giebeldreieck, das an antike Tempel erinnert, sowie das für das Salinenamtsgebäude typische Glockentürmchen auf dem Dachfirst. Die sonst bei Repräsentativbauten übliche Wandgliederung fehlt gänzlich. Die Wandflächen zwischen den Fenstern sind glatt. Lediglich über dem Erdgeschoss verläuft ein durchgehendes Gurtgesims. 

Übrigens war dieses Gebäude ursprünglich als Abstiegsquartier Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs von Baden gedacht. Ob der Großherzog jemals hier abgestiegen ist, bleibt ungewiss.

Die 8 geräumigen Zimmer des Obergeschosses mit einer Wohnfläche von ca. 230 m² wurden ab 1831 von Salineninspektor Rosentritt bewohnt. Aus einem der hinteren Zimmer des Obergeschosses hatte man Zugang auf eine offene Terrasse. Sie ruhte auf 4 dorischen Säulen und gewährte freien Ausblick in die Landschaft. Ab 1832 hatte er zwei Zimmer der geräumigen Wohnung an Hüttenmeister Franz von Chrismar abgetreten. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Räume vom „Salinenpraktikanten“ Müller bewohnt gewesen. Auch Salinenarzt Heinrich Fink benutzte ein Zimmer in demselben Stockwerk. Es wird vermutet, dass sich von Chrismar und Rosentritt bis zu dessen Tod 1846 die geräumige Wohnung geteilt haben. Auch nach dem Weggang des Salinenverwalters von Chrismar 1856 haben im oberen Stockwerk des Direktionsgebäudes die jeweiligen Salinendirektoren gewohnt. Im Erdgeschoss hingegen waren seit Inbetriebnahme der Saline 1823 Büroräume untergebracht. 1868 wurde dann die gesamte Verwaltung ins Erdgeschoss des Direktionsgebäudes verlegt.

Im Einschätzungsverzeichnis des 1869 angelegten Feuerversicherungsbuches der Saline Rappenau wird für das stattliche Gebäude ein Wert von 21.000 Gulden angeführt. Gleichzeitig werden auch die zwei Nebengebäude mit einer Versicherungssumme von jeweils 2.100 Gulden angeführt. Dabei handelt es sich um zwei Wirtschaftsgebäude mit Remise und Waschküche bzw. Geflügelstall.

Im Laufe der Jahre wurden mehrfach umfangreiche Renovierungsarbeiten durchgeführt. 1902 deckte man das Glockentürmchen mit Kupferblech ein. Dafür waren insgesamt 213,5 kg Kupferblech notwendig. Leider musste im März 1918 die Kupferblechabdeckung wieder entfernt und für Kriegszwecke abgeliefert werden. Auch das Salinenglöckchen hatte für mehrere Jahre das Glockentürmchen verlassen müssen. Im Jahre 1930 hatte nämlich die damals noch recht kleine katholische Kirchengemeinde in Bad Rappenau ein eigenes Gotteshaus errichtet.  Da die Geldmittel nicht ausreichten, ein eigenes Glockengeläute anzuschaffen, lieh man zunächst das Salinenglöckchen, das erst 1936 wieder an seinen alten Platz zurückkam, nachdem von der katholischen Kirchengemeinde zwei Glocken angeschafft werden konnten.

Nachdem die Saline 1973 den Betrieb eingestellt hatte, waren in dem Gebäude vorübergehend das Notariat und das Standesamt untergebracht. Danach unterhielt die Kur- und Klinikverwaltung darin ein Therapiezentrum für Stimm-, Sprach- und Sprechstörungen. Heute befindet sich darin ein Ayurveda-Zentrum. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.

Aus: Michael Konnerth, "Die Rappenauer Saline und ihre Geschichte“, Beiträge im Rappenauer Heimatbote Nr. 9 + 18

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Bild: Uwe Grün, Kraichgaufoto


Das Bad Rappenauer Gradierwerk - gesunde salzhaltige Luft atmen

Das Gradierwerk im Salinenpark ist eine Besonderheit: Rund 30 Meter lang und knapp acht Meter hoch ist die Anlage, in der die Besucher gesunde salzhaltige Luft atmen können. Das Inhalatorium auf dem Gelände der ehemaligen der Landesgartenschau ist zwar eher klein, verglichen mit anderen Gradierwerken. Der Effekt ist jedoch der gleiche. Wir atmen hier sozusagen gesunde Meeresluft und tun damit unserer Gesundheit etwas Gutes. Vor allem Allergiker und Asthmapatienten profitieren von der Heilwirkung für die Atemwege. Vom Aussehen erinnert das Gradierwerk an ein überdimensionales Holzregal, in dessen Innern Reisig geschichtet ist. Insgesamt rund 5500 Büschel Schlehenreisig waren für die so genannte Bedornung (Beschichtung) der Anlage nötig. Darüber rieselt Sole. Die reichert die Luft in der Nähe des Gradierwerks mit Salz an. Was nicht verdunstet, wird in einer Auffangwanne gesammelt und mit einer Pumpe wieder nach oben befördert. Um dann erneut übers Reisig zu rieseln. Die Schlehenbüschel müssen etwa alle 15 Jahre (bei starker Sole) bis 25 Jahre erneuert werden. Ganz neu ist die Idee eines Gradierwerks in der Bäderstadt allerdings nicht. Bereits ab dem Jahr 1912 betrieb die Vulpius Klinik ein Freiluft-Inhalatorium. Das einzige damals im gesamten Großherzogtum Baden. Das Gradierwerk im Salinenpark ist ganzjährig in Betrieb und ohne Eintritt über die Weinbrennerstraße frei zugänglich. 

Für Interessierte finden regelmäßig öffentliche Salz & Sole-Führungen statt. Termine dafür gibt es unter https://www.badrappenau-tourismus.de/entdecken-erleben/fuehrungen/salz-sole-fuehrung.html

Gradierwerk


Das Ehrenmal am Bohrhaus

Haben Sie schon einmal den kleinen Brunnen an dem neben dem Tretrad idyllisch gelegenen Borhhäuschen in der Talmulde am Einsiedelwald entdeckt und genauer betrachtet? Es handelt sich um ein Ehrenmal und würdigt die Salinenarbeiter, die Opfer der beiden Weltkriege wurden. Es schmückt die Westseite des Bohrhäuschens.

Ursprünglich befand sich das Ehrenmal im damaligen Salinenhof, am Eingang des Kantinengebäudes. An seinen jetzigen Standort wurde es 1974/1975 umgesiedelt, als in dem Bohrhäuschen die Druckerhöhungsanlage untergebracht wurde, diese ersetzt den 1909 auf einer Anhöhe am Westrand des Einsiedelwaldes erbauten und 1975 abgerissenen, etwa 2.000 m³ fassenden Hochbehälter und sorgt dafür, dass die Sole in die Kurkliniken und die Bäder befördert wird.

Brunnen am Bohrhaus


Das „Kurcafé“ – ehemalige Trafostation der Rappenauer Saline

Im Salinengarten idyllisch gelegen befindet sich ein historisches Gebäude der Stadt, das heute das Kurcafé beherbergt. Dieses Gebäude wurde 1925 gebaut und diente bis 1973 als Trafostation. Es erinnert an den Anschluss der Rappenauer Saline an das öffentliche Stromnetz im Jahre 1926 und gilt als das schönste Gebäude der ehemaligen Saline. 

Pläne zur Modernisierung der Rappenauer Saline, die der technische Fortschritt überholt hatte, lagen schon vor dem ersten Weltkrieg vor. Mit der Ausarbeitung des Bauprojekts und der Leitung der Arbeiten wurde die Bezirksbauinspektion Heidelberg schon 1912 beauftragt. Diese schickte Bauführer May für 9 Monate auf die Saline, um Detailpläne auszuarbeiten. Entsprechend dem Projekt gliederten sich die Neubauten unauffällig in die bestehende Anlage ein, deren ursprünglicher, einheitlicher Charakter beibehalten werden sollte. In diesem Zusammenhang forderte das Finanzministerium „das Neue in ästhetischer Beziehung so befriedigend wie nur möglich zu gestalten und in den gegebenen Rahmen einzufügen“. Leider konnte dieses Projekt wegen Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 nicht ausgeführt werden, erst 1925 konnten die Pläne zur Modernisierung der Rappenauer Saline unter Salinendirektor Falk wieder aufgenommen werden.

Durch den Anschluss an das Badenwerk im Jahr 1926 erfolgte die endgültige Umstellung des gesamten Salinenbetriebs von der Dampfkraft auf die Stromkraft.  Das alte Maschinenhaus wurde dadurch entbehrlich und schließlich abgerissen. Die letzten noch in Betrieb stehenden Treträder konnten endgültig stillgelegt werden.  Eines dieser technischen Denkmäler, das auf die Gründerzeit der Saline zurückgeht, ist glücklicherweise bis heute erhalten geblieben. 

Dem Anschluss an das Badenwerk vorausgegangen war die Errichtung der Trafostation in der westlichen Hälfte des Salinenhofs, unmittelbar neben dem Kantinengebäude.

1981 ist das ehemalige Trafo-Häuschen zum Kur-Café umgebaut worden und stellt heute eine Zierde des Salinengartens dar.

Was verleiht eigentlich dem Kurcafé seinen besonderen Reiz? Es ist vor allem die Proportion seiner Flächen, da ja angebrachte Zierformen fast gänzlich fehlen. Der eingeschossige Bau mit quadratischem Grundriss trägt als Dach einen regelmäßigen Pyramidenstumpf, auf dessen Deckfläche wiederum ein Türmchen mit quadratischer Grundfläche und regelmäßigem Pyramidendach steht. Aufgrund des quadratischen Grundrisses sowohl des Gebäudes als auch des Dachreiters ergeben sich jeweils vier gleichgestaltete trapez- bzw. dreieckförmige Dachflächen. Die acht Dachflächen werden von je einer stehenden Dachgaube geschmückt.

Heute bietet das Kurcafé mit großer Sonnenterrasse während seiner Öffnungszeiten unter anderem österreichische Schmankerl wie Mehlspeisen und Strudelspezialitäten an.

Quellen: 

  • „Ein Führer zu Sehenswertem mit der Geschichte von Stadt, Saline und Kurbetrieb“ von Michael Konnerth
  • „Die Rappenauer Saline und ihre Geschichte“ von Michael Konnerth

Kurcafé (Bild: Uwe Grün)


Das historische Bohrhausmagazin mit Ausstellung im Salinengarten

Im Tal des Salinengartens am Eingang zum Einsiedelwald befindet sich das historische Bohrhausmagazin. Darin befindet sich eine Ausstellung zum Thema Salz & Sole. Eröffnet wurde das Museum im Jahr 2008 im Rahmen der Landesgartenschau, um Besuchern der Schau einen Eindruck zum Thema „Salz und Sole“ zu geben und die Salzgewinnung in Bad Rappenau eindrücklich darzustellen. Das Museumskonzept wurde von einem Arbeitskreis des Heimat- und Museumsvereins Bad Rappenau e.V. erarbeitet, dieser trug auch die Bilder und Gerätschaften zusammen und ergänzte diese durch entsprechendes Anschauungsmaterial. Die Ausstellung ist eine Ergänzung zum Heimatmuseum im Fränkischen Hof, das technische Gerätschaften und Anschauungsmaterial dort zeigt, wo sie zu Zeiten des Salinenbetriebs im Einsatz waren. Erweiternd wird das Salz in seiner Vielseitigkeit und den unterschiedlichen Anwendungsgebieten dargestellt.

Während eines Rundgangs kann sich der Besucher über das Auffinden des Salzes und der Sole in unserem Raum bis hin zum Bau der Saline in Rappenau und zur Gewinnung des Speisalzes und der heutigen Verwendung von aus Sole gewonnenem Salz informieren.

Das Bohrhausmagazin selbst war in einfachem Ständerfachwerk 1929 gebaut worden und dementsprechend waren die Gefache mit Ziegelsteinen ausgemauert. Es diente dazu, Bohrgeräte und Werkzeuge der zwei benachbarten Bohrlöcher, 9 und 10, aufzunehmen. Die Bohrhäuser enthielten neben dem Bohrloch die technischen Einrichtungen zur Soleförderung, wie Tretrad, Schwengel, Bohrbank mit Bohrschere, Balancier, Wellbaum und Teile des Feldgestänges. Im Magazin brachte man Gestänge, Pumpe, Werkbank und Werkzeuge unter. Eine einfache Werkstattausstattung diente dazu, kleinere Reparaturen und Schweißarbeiten direkt vor Ort auszuführen. 

Im Sommer und Herbst 2007 wurde das Dachwerk restauriert. Ziegelsteine wurden neu eingemauert und die Dachabdeckung sowie Regenrinnen und Fallrohre, Estrich und Elektrik grundlegend erneuert.

Vom Bohrhausmagazin blickt man in östlicher Richtung genau auf den Bohrturm, der eigens zur Landesgartenschau 2008 über das Bohrhaus 9 geschoben wurde. Das Symbol auf dem Dach zeigt die beiden gekreuzten Bergmanns-Werkzeuge „Schlägel und Spitzeisen“, die im historischen Bergbau die grundlegenden Instrumente des Bergmanns waren. Überall wo diese Zeichen zu finden sind, bekunden sie eine enge Beziehung zum Bergbau.

Für die Ausstellung wurden Rohre, Gestänge und Meißel aus Beständen anderer Magazine ausgewählt und hertransportiert, Bohrkerne wurden inspiziert und die markantesten vom städtischen Bauhof aus einer Scheune in Fürfeld herbeigeschafft. Am Freitag, dem 25. April 2008 öffnete das Museum zum ersten Mal seine Pforten, an diesem Tag öffnete auch die Landesgartenschau 2008 zum ersten Mal zu einem „Tag der offenen Tür“ für die Besucher.

Überzeugen Sie sich selbst bei einem Besuch im Museum von den einstigen Ausmaßen der Rappenauer Saline und was davon noch übrig ist. Geblieben ist auch die Sole, die noch täglich an die Oberfläche gepumpt wird.

Öffnungszeiten: Jeweils samstags ab 15:00 Uhr:

  • 06.08.2022
  • 13.08.2022 - krankheitsbedingt leider geschlossen!
  • 20.08.2022
  • 27.08.2022
  • 03.09.2022

Der Eintritt ist frei.

Krankheitsbedingt muss das Bohrhausmagazin am Samstag, dem 13.08.2022 leider geschlossen bleiben. Auch die geplante Sonderführung kann leider nicht stattfinden. Diese wird zu einem spätern Zeitpunkt, der noch bekannt gegeben wird, nachgeholt.

Vorschau: Sonderführung des Heimat- und Museumsvereins am  am 13.08.2022  um 15.00 Uhr; Beginn am Gradierwerk an der Weinbrennerstraße - ABGESAGT!

Diese Führung wird uns vom Gradierwerk, entlang der ehemaligen Bohrlöcher zum Museum Bohrhausmagazin, weiter am Bohrturm vorbei bis zum Tretrad geleiten. Dort werden wir erfahren, welch beschwerliche Arbeit das Bohren vor 200 Jahren war. Ein besonderes Highlight ist die Verschiebe-Einrichtung für den Bohrturm, da sie einmalig in Baden - Württemberg ist. Im Bohrhausmagazin erfahren die Teilnehmer die Geschichte der Saline und die Einsatzbereiche des Salzes. Bohrkerne, Bohrwerkzeuge, Salzstreuerschau und vieles Mehr wird fachkundig erklärt.

Ausstellung im Bohrhaus


Das Rosentritt-Grab

Auf dem Städtischen Friedhof an der Siegelsbacher Straße befindet sich das Grabmal von Salineninspektor Georg Christian Heinrich Rosentritt (1759-1846), dem Entdecker des Bad Rappenauer Salzlagers. Alte Bohrstangen und Schlagmeißel, mit denen Rosentritt seine Tiefenbohrungen niederbrachte, schmücken das Grab und erinnern an seine erfolgreiche Bohrtätigkeit. 

Die Entdeckung des Salzlagers im Jahr 1822 und die Saline bedeuteten einen Wendepunkt. Sie waren es, die in der Folgezeit das Gesicht Bad Rappenaus wandelten, den Ort aus dem Umland heraushoben und dessen Aufstieg zur modernen Kur- und Bäderstadt erst möglich machten. Der Weg in das Zeitalter der Industrialisierung, gleichzeitig auch zum geachteten Heilbad, stand nun auch für das damalige unscheinbare Ritterdorf Rappenau mit damals lediglich 592 Einwohnern weit offen. Mit der erfolgreichen Bohrung Rosentritts und der Errichtung der Saline wurden günstige Voraussetzungen für einen auf der Nutzung der Sole basierenden Kurbetrieb geschaffen, da fortan der Bezug dieses natürlichen Heilmittels in beliebiger Menge langfristig und kostengünstig gesichert war. Bereits 1833 fand die Eröffnung des Sophienbades, des ersten Solebades im damaligen Großherzogtum Baden, statt. Seither hat die Sole vielen Tausend und Abertausend Menschen Linderung und Heilung gebracht.

Wer war nun aber dieser Herr Rosentritt eigentlich?

Er hatte seine Bohrungen in bis dahin kaum erreichte Tiefen hinabgetrieben und die Bohrverfahren ständig verbessert. Ohne seine Bemühungen und gediegenen Fachkenntnisse wäre es wohl nie zu Bohrversuchen in dem damals im badischen Hinterland gelegenen kleinen Bauerndorf Rappenau gekommen. Rastloser Unternehmungsgeist und außergewöhnlicher Betätigungsdrang, verbunden mit hoher Risikobereitschaft und einem guten Riecher fürs Machbare im richtigen Moment waren die Tugenden, die ihm zum Erfolg verhalfen. Rosentritt verkörperte den modernen Unternehmertyp, der grenzüberschreitend wirkte und auch vor den größten Schwierigkeiten und Misserfolgen nicht zurückschreckte. Er gilt als Symbol für tatkräftiges, mutiges und erfolgreiches Schaffen.

Anlässlich seiner Pensionierung im Jahr 1836 wurde Salineninspektor Rosentritt die Ehrenbürgerurkunde verliehen. Rosentritt war damit der erste Ehrenbürger Bad Rappenaus. Rosentritt starb am 2. Mai 1846 im Alter von 86 Jahren in Bad Rappenau. Er hat bis zu seinem Tod im damaligen Direktionsgebäude der Saline gewohnt. Wer nun das Foto genau betrachtet, dem wird sofort ins Auge stechen, dass an den genannten Daten etwas nicht stimmen kann. Denn laut Eintrag im Taufregister wurde er bereits am 29. September 1759 geboren und nicht am 01. August 1760, wie fälschlicherweise auf dem Grabstein festgehalten. Offensichtlich hat der Auftraggeber des Grabmals – die damalige Salinenverwaltung – das genaue Geburtsdatum nicht gekannt, und daher rührt der Fehler auf dem Grabmal.

Quelle: Artikel von Michael Konnerth im Bad Rappenauer Heimatboten Nr. 13

Rosentrittgrab auf dem Bad Rappenauer Friedhof


Der Waldbrunnnen 

Südlich vom historischen Tretrad, etwa 15 m von diesem entfernt, ganz nahe am Einsiedelwald, verschließt eine aus Eisenstäben gefertigte Tür den Eingang zu einem etwa 30 m tief in den Wald hineinführenden Stollen. Am Stollenausgang befindet sich eine runde Vertiefung und mehrere verstreut liegende Keupersandsteinquader. Sie erinnern an den 1823 von Salineninspektor Rosentritt errichteten 20,78 m tiefen Brunnen, der später als Waldbrunnen bekannt wurde und das für die Dampferzeugung sowie die Kondensation der Dämpfe benötigte Wasser lieferte. 

Er war mit 2 Pumpen von jeweils zwei Zoll fünf Linien (6,22 cm) ausgerüstet, die von der Dampfmaschine über ein Feldgestänge angetrieben wurden. 

Über eine 60 m lange Deichelleitung (Holzrohrleitung) gelangte das Wasser in ein großes Bassin, das unmittelbar neben der Dampfmaschine angelegt worden war.

Der aus Sandsteinquadern gefertigte, etwa 70 cm breite und 1 m hohe Stollen, in dem das Nebenfeldgestänge von der Dampfmaschine bis zum Waldbrunnen geführt wurde und die Pumpen antrieb, hat die Zeit bis heute überdauert. Wenn auch die Natur ihr Terrain hier langsam aber stetig zurückerobert hat.

Quelle: Bad Rappenau – Ein Führer zu Sehenswertem mit der Geschichte von Stadt, Saline und Kurbetrieb von Michael Konnerth, Bad Rappenau 1990

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Der Salinenpark mit dem Feuerbeet

Am Ende der Salinenstraße befindet sich der Eingang zum Salinenpark. Vor dem Abriss der Saline befand sich hier das Werkstor zur Ludwigssaline. Rechts und links davon befinden sich die ehemaligen Offiziantenhäuser. Auch das kulturhistorisch und architektonisch wertvolle ehemalige Direktionsgebäude mit dem angrenzenden Garten und die früheren Arbeiter- und Beamtenwohnhäuser, sowie das Kurcafé erinnern hier auf dem Höhenrücken des Schwärzbergs noch an die alte Saline.

Nach der Stilllegung der Saline erwarb die Stadt Bad Rappenau 1979 für 4 Millionen DM das 24 Hektar große ehemalige Salinengelände und führte es in der Folgezeit dem Kurbetrieb zu. In knapp 18 Monaten entstand nach Plänen des Bad Friedrichshaller Gartenbau-Architekten Reinhold Dupper mit einem Aufwand von 1,5 Millionen DM aus einer ungenutzten Brachfläche der Salinengarten mit weiten Grünanlagen und Blumenbeeten.

Vor der Landesgartenschau im Jahr 2008 wurde der Salinengarten umgestaltet. So entstanden die zu jeder Jahreszeit attraktiven Solegärten, welche mit Stauden und Gräsern das Thema "Salz, Sole und Gesundheit" aufarbeiten. Auf dem Höhenrücken des Schwärzbergs befindet sich das Feuerbeet, das mit über 1000 m² größte Wechselflorbeet Bad Rappenaus. Es symbolisiert die historische Salzgewinnung mittels Siedepfannen auf dem Gelände der ehemaligen Bad Rappenauer Saline. Die weißen Steine stehen für das gewonnene Salz, die rote Bepflanzung stellt das dafür notwendige Feuer und die schwarzen Steine die verwendete Kohle dar.

Eine weitere Attraktion stellen die Rosengärten dar, die entlang der historischen Gebäude von Kur- und Klinikverwaltung angelegt wurden. Am Südhang des Salinengartens befindet sich das vor allem bei Kindern beliebte Lavendel-Labyrinth in der Form eines baltischen Rades. Von hier aus führt ein mit Magnolien gesäumter Weg direkt zur wohl größten Attraktion des Parkgeländes - dem Gradierwerk, eine Art Freiluft-Inhalatorium, bei welchem heilkräftige Sole über Schlehenreisig rieselt, verdunstet und somit die Umgebungsluft mit Salz anreichert. Das Gradierwerk bildet den Auftakt der Soleachse, an der sich in Umgebung alter Bäume und weitläufiger Rasenflächen die denkmalgeschützten Bohrhäuser, der Bohrturm sowie das alte Tretrad anschließen.

Den nördlichen Abschluss des Salinengartens bilden 9 kleine Gärten im Quadrat, in denen der Besucher nicht nur Ruhe sondern auch Anregungen für die eigene Gartengestaltung finden kann. Wer etwas für die Gesundheit tun will, dem stehen im Salinenpark verschiedene Aktiv-Parcours-Geräte zur Verfügung. Im Zeitwald lädt der Barfußpfad mit seinen zwölf Feldern dazu ein, die verschiedenen Bodenbeläge wie z.B. Sand, Gras, Holzbohlen oder Mulch hautnah zu erleben.

Der Höhenunterschied zwischen Salinen- und Kurpark wird durch den Salinensteg, ein filigranes Bauwerk aus Stahl und Glas mittels Fahrstuhl und einer gegenläufigen Doppelwendeltreppe überwunden.

Der Sommerflor auf dem Feuerbeet wurde kürzlich gepflanzt. Kommen Sie bald einmal in den Salinenpark und bewundern Sie die Fülle an Formen, Farben und Düften!

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Lavendellabyrinth im Salinenpark

 
 
 
 
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