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Soll die Krebsbachtalbahn zwischen Neckarbischofsheim und Obergimpern reaktiviert werden? Und soll die Strecke in Neckarbischofsheim bzw. über einen Neubauabschnitt von Obergimpern über Babstadt nach Bad Rappenau an das bestehende Schienennetz angeschlossen werden?

Diese und weitere Fragen waren Thema bei der Bürgerversammlung zur Krebsbachtalbahn, zu der die Stadtverwaltung am 12.04.2022 in die Mühltalhalle eingeladen hatte. Experten der beteiligten Betriebe, Planungsbüros und des Landratsamtes stellten den gut 150 Besuchern den aktuellen Stand der Planungen vor und beantworteten die zahlreichen Fragen. In den Wortmeldungen der Zuhörer wurde deutlich, dass eine mögliche Reaktivierung nicht nur Einfluss auf Bad Rappenau und seine Stadtteile haben wird, sondern auch auf umliegende Gemeinden. Die Stimmung war sehr ruhig, aufmerksam und sachlich, viele Fragen und Anmerkungen wurden in der rund 3-stündigen Versammlung vorgebracht, häufig gab es Beifall für die eine oder andere Wortmeldung.

Zunächst erläuterten Carsten Strähle von der Erms-Neckar-Bahn AG (ENAG), die seit 2013 die Krebsbachtalbahn betreibt, und Stefan Tritschler vom Verkehrswissenschaftlichen Institut in Stuttgart (VWI), das die Nutzen-Kosten-Untersuchung zur Reaktivierung durchgeführt hatte, den aktuellen Stand der Planungen. Unterstützt wurden sie dabei von Lutz Mai, dem Ersten Landesbeamten des Landratsamtes Heilbronn, das zuständig ist für den ÖPNV im Landkreis. Wie die beteiligten Städte Neckarbischofsheim und Bad Rappenau müssten auch die beteiligten Landkreise Heilbronn und Rhein-Neckar den Planungen zustimmen und einen Teil der Reaktivierungskosten übernehmen. Für Bad Rappenau wird der Anteil unter Berücksichtigung der Kosten für die Umgestaltung der Bahnübergänge und des erforderlichen Grunderwerbs in der Größenordnung von ca. 3 Mio. Euro angegeben, allerdings ist (durch Preissteigerungen und Inflation) realistischerweise mit einem höheren Betrag zu rechnen.

Seit 2017 laufen die Untersuchungen, von insgesamt 60 verschiedenen Varianten für Betrieb und Streckenverlauf wurden 5 näher untersucht. „Bei Neubauvorhaben versucht man grundsätzlich, teure Bauwerke, wie Brücken und Unterführungen, zu vermeiden und so wenig Eingriffe wie möglich in Schutzgüter vorzunehmen“, erläuterte Stefan Tritschler vom VWI.

In der anschließenden Nutzen-Kosten-Untersuchung schnitt die Reaktivierung des Teilstücks zwischen Neckarbischofsheim und Obergimpern mit einem Anschluss an die S-Bahn Aglasterhausen-Meckesheim im Westen und Bad Rappenau im Osten als günstigste Variante ab. Dazu erforderlich ist eine 2,7 km lange eingleisige Neubaustrecke östlich von Babstadt mit neuem Haltepunkt „Babstadt Nord“. Die Teilstrecke nach Siegelsbach und Hüffenhardt soll dagegen stillgelegt werden.

Die S42, die derzeit in Bad Rappenau endet, könnte künftig stündlich nach Neckarbischofsheim weiterfahren, wodurch Babstadt  aufgrund der geplanten zweiten Haltestelle einen 30-Minuten-Takt Richtung Bad Rappenau erhalten würde. Von einer deutlichen Verkürzung der Reisezeit u.a. von Obergimpern Richtung Bad Rappenau sprechen die Planer. 930 Fahrgäste könnten laut der Berechnung die Strecke täglich nutzen, viele würden in Obergimpern (350) bzw. Babstadt (160) ein- und aussteigen.

Momentan wird von Baukosten in Höhe von 51 Mio. Euro ausgegangen, rund 90 % der Baukosten für die Reaktivierung und Elektrifizierung der bestehenden Strecke würden Land und Bund übernehmen, die Neubaustrecke würde mit 75 % Bundes- und Landeszuschuss gefördert. Die restlichen Kosten in Höhe von rund 10 Millionen Euro entfielen auf die beteiligten Städte bzw. Landkreise. Da der errechnete Nutzen höher liegt als die erwarteten Kosten (das Nutzen-Kosten-Verhältnis wurde mit 1,43 berechnet), wäre das Land bereit, die Betriebskosten für die Strecke zu übernehmen. Im günstigsten Fall könnte die Strecke ca. 6 - 7 Jahre nach den erforderlichen Zustimmungen in Betrieb gehen, so Carsten Strähle auf Anfrage aus der Bürgerschaft.

Zahlreiche Fragen wurden im Anschluss gestellt, etwa wie man auf die Zahl von 150 Zustiegen in Babstadt komme und warum Babstadt zwei Haltepunkte brauche. Auch ob in den verschiedenen Varianten die Arbeitnehmer in den Betrieben, z.B. in Siegelsbach, bei den möglichen Fahrgastzahlen berücksichtigt wurden. Unmut und Unverständnis äußerten mehrere Einwohner des Neubaugebietes in Babstadt - bei den Grundstücksverkäufen war eine mögliche Trassenführung kein Thema. OB Sebastian Frei machte deutlich, dass der Trassenverlauf weder bei der Aufstellung des Flächennutzungsplanes noch des Bebauungsplanes bekannt gewesen sei und man daher zum damaligen Zeitpunkt auch nicht darauf hinweisen konnte.

Ein 10-jähriger Schüler aus Obergimpern wünschte sich die Reaktivierung der Bahn, da die Busse zum Gymnasium in Neckarbischofsheim voll seien und die Fahrzeiten zu den Schulen (auch nach Bad Rappenau) sehr lang seien. Um viele Engstellen in der Obergimperner Ortsmitte sorgten sich die Anwohner, ebenso um die Schrankenschließzeiten, auch am Bahnübergang „Hinter dem Schloss“ in der Kernstadt. Ebenso angeregt wurde eine Änderung der Busverbindung, um die Fahrzeiten zu verkürzen, was deutlich günstiger wäre als ein Streckenneubau. In einer anderen Wortmeldung wurde darauf verwiesen, dass man die Fahrzeiten Zug/Auto vergleichen müsse und nicht Zug/Bus, wenn es darum gehe, neue Fahrgäste zu gewinnen.

Mehrere Wortmeldungen verwiesen allerdings darauf, auf ein Auto verzichten zu wollen, falls die Bahnverbindung Richtung Heilbronn käme. Einigen Bürgern war auch die angemessene Verwendung von Steuergeldern wichtig. Der Bau der Krebsbachtalbahn könne ein Baustein sein, um dem Klimawandel entgegenzuwirken, betonte eine junge Frau aus Bad Rappenau.

Dass eine Reaktivierung der Krebsbachtalbahn auch Auswirkungen in Nachbargemeinden hat, machte die Wortmeldung eines Gemeinderates aus Helmstadt-Bargen deutlich: Für seine Gemeinde würde sich die Taktung Richtung Meckesheim verschlechtern, statt eines 30-Minuten-Taktes würden Züge dort nur noch stündlich fahren. Ein Gemeinderat aus Neckarbischofsheim warb für die Bahn: „Ein Bahnanschluss ist für viele ein Grund, in einen Ort zu ziehen. Die Grundstücke sind dadurch mehr wert.“

Am Ende hatten die Bürger Gelegenheit, in einer Umfrage ihre Meinung zu den Planungen zu äußern (Ergebnis s.u.). Die Zahl der abgegebenen Stimmzettel zeigt allerdings, dass viele Besucher mehr als einen Zettel ausgefüllt haben. Inwieweit das Ergebnis dadurch verzerrt wird, lässt sich nicht abschätzen. Klar ist, dass die Bürger hier Gelegenheit hatten, sich aus erster Hand über die Planungen zu informieren und ihre Meinungen und Bedenken zu äußern. Diese werden sicherlich einfließen in die Beratungen des Gemeinderates Bad Rappenau, der voraussichtlich am 19.05.2022 in der nächsten öffentlichen Gemeinderatssitzung über das Thema „Reaktivierung der Krebsbachtalbahn“ entscheiden wird.

Das Stimmungsbild brachte das folgende Ergebnis:

Bürgerversammlung Stimmungsbild

 

 
 
 
 
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