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    Wasserschloss Bad Rappenau Nacht

Neben dem 200-jährigen Jubiläum der erfolgreichen Solebohrung gibt es im Jahr 2022 auch drei „50er“-Jubiläen bei den Eingemeindungen: Am 01.01.1972 haben sich Wollenberg und Obergimpern, am 01.03.1972 Heinsheim der Gemeinde Bad Rappenau eingegliedert.

Dazu schreibt Michael Konnerth in der Broschüre „25 Jahre Stadt Bad Rappenau – eine starke Gemeinschaft“ aus dem Jahr 1998 (Auszug):

Wollenberg

Nach Treschklingen und Babstadt war Wollenberg, das im Wollenbachtal - ca. 10 km nordwestlich von Bad Rappenau liegt, die dritte Gemeinde, die sich Bad Rappenau anschloss.
In Wollenberg hatte man schon frühzeitig die Vorteile erkannt, die sich für die kleine Gemeinde aus der Gemeindereform ergeben könnten. Sowohl bei den Bürgern, als auch im Gemeinderat herrschte deshalb Klarheit darüber, dass die Selbstständigkeit wohl aufgegeben werden müsste und dass die kommunalen Probleme der Zukunft nur durch einen Gemeindezusammenschluss zu lösen seien.
Bereits im Sommer 1969 wurden mit dem benachbarten Bargen Gespräche aufgenommen, um die Bedingungen eines Zusammenschlusses beider Wollenbachtal-Gemeinden zu erkunden. Im Herbst desselben Jahres stimmten dann die Gemeinderäte von Wollenberg und Bargen dem Zusammenschluss beider Gemeinden zu. Diese Vereinbarung wurde aber bei der Bürgerbefragung vom 9.11.1969 mit 64 gegen 58 Stimmen abgelehnt.
Auch eine Verbindung zwischen Wollenberg, Bargen und Kälbertshausen war ins Gespräch gebracht worden, doch hatte ein Zusammenschluss dieser Gemeinden von vorherein keine Chance.
Nachdem die Bevölkerung ein Zusammengehen mit Bargen abgelehnt hatte, fasste der Gemeinderat am 13.11.1969 den Beschluss, die Selbstständigkeit Wollenbergs zu erhalten.
Schließlich orientierte sich Wollenberg nach Bad Rappenau. Am 14.07.1971 wurde im Gemeinderat einstimmig der Beschluss gefasst, sofort mit der Gemeinde Rappenau „Gespräche zwecks Eingliederung zu führen, damit diese bis zum 01.01.1972 unter Dach und Fach gebracht werden“ könne. Die Befragung der Bürger erfolgte am 03.10.1971. Von 156 Wahlberechtigte sprachen sich 68 für die Eingemeindung nach Bad Rappenau aus, 14 waren dagegen. Der Rest, also 47 (47,8%), ging nicht zur Wahl.
Schon zwei Tage nach diesem eindeutigen Bürgervotum beschloss der Gemeinderat einstimmig die Eingliederung Wollenbergs nach Bad Rappenau. Am 15.10.1971 unterzeichneten dann die Bürgermeister von Bad Rappenau, Fritz Hagner, und Wollenberg, Richard Herbold, im Gasthaus „Zum Löwen“ den Vertrag, der die Bedingungen der Eingemeindung Wollenbergs nach Bad Rappenau regelte.
Am 29.12.1971 verabschiedete sich der Wollenberger Gemeinderat von der Selbstständigkeit, und zwar genau 1.179 Jahre nach der ersten urkundlichen Nennung des Ortes. Als Vertreter Wollenbergs in den Gemeinderat von Bad Rappenau wurden bis zur nächsten Gemeinderatswahl 1975 die Gemeinderäte Valentin Schulz und Hermann Siegmann entsandt
 

01011972 Eingliederung Wollenberg HagnerEingemeindung von Wollenberg: die Bürgermeister Fritz Hagner (2.v.l.) und Richard Herbold (r.); Bild aus dem Nachlass von Bürgermeister Fritz Hagner


Obergimpern
Obergimpern, das 5 km nordwestlich von Bad Rappenau liegt, schloss sich zum 01.01.1972 als vierte Gemeinde an Bad Rappenau an.
„Den Blick in die Zukunft gerichtet“ - so der damalige Bürgermeister von Obergimpern, Willi Reinwald - wurden bereits im Frühjahr 1971 Verhandlungen mit Bad Rappenau aufgenommen, um die Bedingungen auszuloten, unter denen ein evtl. Anschluss an Bad Rappenau erfolgen könnte. Aber schon vorher hatten beide Gemeinden auf den Gebieten der Wasserversorgung, der Flächennutzung, der Landschaftsplanung und des Kassen- und Finanzwesens zusammengearbeitet und dabei positive Erfahrungen gesammelt. Nach langen Verhandlungen wurde eine aus 12 Punkten bestehende Eingliederungsvereinbarung zwischen beiden Gemeinden getroffen, die man der Bevölkerung in der Bürgerversammlung am 10.09.1971 im „Rössle“-Saal erläuterte. Dazu gehörten die Vertretung des künftigen Ortsteils Obergimpern im Bad Rappenauer Gesamtgemeinderat durch vier Gemeinderäte bis zur Gemeinderatswahl 1974 (danach drei Vertreter) ebenso wie die Einrichtung einer Verwaltungsstelle, die ständig mit einem Bediensteten besetzt sein sollte, ferner kulturelles, kirchliches und sportliches Eigenleben, freie Entfaltung des örtlichen Brauchtums, soweit wie möglich Erhaltung der Grund- und Sonderschule in Obergimpern, finanzielle Unterstützung des dortigen Kindergartens, die verkehrsmäßige Anbindung Obergimperns an den Kernort, Einrichtung eines Sportzentrums mit Clubhaus, Sanierung des Ortskerns, Errichtung von Gehwegen in den innerörtlichen Straßen, Abschluss der Verdolungsarbeiten am Eselbach und nicht zuletzt die Übernahme aller Bediensteten der Gemeinde Obergimpern, einschließlich des Bürgermeisters durch die Gemeinde Bad Rappenau deren Einsatz entsprechend ihrer Ausbildung und Berufserfahrung.
Gut zwei Wochen nach der Bürgerversammlung, am 26.09.1971, hatte dann die Bevölkerung Obergimperns in geheimer Abstimmung über die verwaltungsmäßige Zukunft ihrer Gemeinde entschieden. Die Frage der Stimmzettel lautete: „Sind Sie für den Anschluss an Bad Rappenau?“ Von 899 Stimmberechtigten gingen 378, das sind 40%, zur Wahlurne. 371 Stimmen waren gültig, 7 ungültig. Das Votum zugunsten der Eingemeindung nach Bad Rappenau fiel äußerst knapp aus. 188 Bürger waren dafür und 183 dagegen. Für die Entscheidung im Gemeinderat war dies kein glückliches Ergebnis. Dennoch fiel diese in der Gemeinderatssitzung am 17.10.1971 im Bürgersaal des Rathauses überraschend schnell und eindeutig aus. Mit 10 Ja- und einer Nein- Stimme befürwortete der Gemeinderat die Eingliederung Obergimperns nach Bad Rappenau ab 01.01.1972.
Am 18.11.1971 war es dann soweit. Der historische Akt fand im blumengeschmückten Pausensaal der Volksschule Obergimpern im Beisein starker Abordnungen aus beiden Gemeinden statt. Bürgermeister Fritz Hagner und Bürgermeister Willi Reinwald setzten ihre Unterschrift unter die mit so viel Mühe gemeinsam ausgearbeiteten Eingliederungsvereinbarungen.
Bis zur nächsten Gemeinderatswahl wurden in den Bad Rappenauer Gesamtgemeinderat Dr. Norbert Maier, Ortwin Gabel, Gustav Wolfschläger und Edwin Remmele entsandt.

01011972 Eingliederung Obergimpern Hagner
Eingemeindung von Obergimpern (v.l.): die Bürgermeister Fritz Hagner und Willi Reinwald mit dem Sinsheimer Landrat Dr. Hermann; Bild aus dem Nachlass von Bürgermeister Fritz Hagner


Heinsheim
Heinsheim, 5 km nordöstlich von der Kernstadt gelegen, das während der Gemeinde- und Gebietsreform an seiner Selbstständigkeit lange festgehalten hatte, entschied sich letztendlich für Bad Rappenau. Dies brachte der damalige Bürgermeister Erich Sigmund auf der am 12.01.1972 in die Josef-Müller-Halle einberufenen Bürgerversammlung auf den Punkt, als er erklärte: „Wenn schon Aufgabe der Selbstständigkeit, dann in Richtung Bad Rappenau.“ Bereits zu Beginn der Versammlung, an der rund 200 Bürger teilnahmen, äußerte Bürgermeister Sigmund seine Bedenken über die Chancen der damals zum Kreis Mosbach gehörenden Neckargemeinde, ihre Selbstständigkeit auch weiterhin behalten zu können. Das Naheliegendste sei für Heinsheim ein Anschluss an das Unterzentrum Bad Rappenau. Ihr Interesse an einer guten Zukunft bekundeten die Heinsheimer in der anschließend regen Diskussion, indem sie sich für ein Zusammengehen mit Bad Rappenau aussprachen. Amtsrat Schmied vom Verband Badischer Gemeinden (Karlsruhe) wiederum, der über Sinn, Ziel und Zweck der Kreis- und Gemeindereform referierte, betonte, dass die Zukunft von Gemeinden in Heinsheimer Größenordnung nicht mehr gewährleistet sei. Erwartungsgemäß sprach sich dann die Bürgerschaft der Mosbacher Kreisgemeinde Heinsheim bei der am 30.01.1972 stattfindenden Bürgerbefragung mit deutlicher Mehrheit für den Anschluss ihrer Gemeinde an den Kurort Bad Rappenau im Kreis Sinsheim aus. Von den 945 Abstimmungsberechtigten gaben 606 (64,1%) ihre Stimme ab. Die Frage: „Sind Sie für eine Eingliederung Heinsheims als Ortsteil in die Gemeinde Bad Rappenau?“ beantworteten 520 Heinsheimer (85,6%) mit „Ja“. Dagegen sprachen sich 86 Bürger (14,4%) aus. Eine Stimme war ungültig. Nach diesem klaren Votum der Bürgerschaft sanktionierte der Gemeinderat eine Woche danach die Entscheidung. Schließlich unterzeichneten die Bürgermeister Fritz Hagner und Erich Sigmund im Beisein der Gemeinderäte beider Gemeinden am 09.02.1972 in der Josef-Müller-Halle den Eingliederungsvertrag. In den Gesamtgemeinderat nach Bad Rappenau wurden Reinfried Strassner, Erwin Kroner, Theodor Senghaas und Günter Müller entsandt. Die Eingliederung der 1.500 Einwohner zählenden Gemeinde Heinsheim erfolgte zum 01.03.1972.

01031972 Eingliederung Heinsheim Hagner Eingemeindung von Heinsheim (v.l.) Ratsschreiber Karl Mann, Dr. Sieber (Landratsamt Sinsheim), die Bürgermeister Fritz Hagner und Erich Sigmund; Bild aus dem Nachlass von Bürgermeister Fritz Hagner


Damit hatte Bad Rappenau die 10.000 Einwohner-Grenze überschritten, was u.a. die Zuständigkeit der Verwaltung auch als Baugenehmigungsbehörde bedeutete.

 
 
 
 
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