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Beim diesjährigen Empfang für das Ehrenamt am 05.04.2019 im Kurhaus wurden erstmals zwei Gruppen für die ehrenamtlichen Leistungen ausgezeichnet, die ihre Mitglieder gemeinsam erbringen:

Die Theatergruppe der evangelischen Kirchengemeinde Bad Rappenau sowie die Initiative „Gemeinsam in Bad Rappenau – für und mit Flüchtlingen“ wurden von Oberbürgermeister Sebastian Frei jeweils mit der Silbernen Ehrenmedaille der Stadt Bad Rappenau ausgezeichnet.

0630 Ehrenamt Theatergruppe ug122 04756 050419Die Mitglieder der Theatergruppe der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Rappenau

„Wenn es schon bei einem Verein, einer Partei oder einer Organisation oftmals schwierig ist, einen auszuwählen, den man stellvertretend ehrt für das, was alles zusammen leisten, so fiel es uns in diesem Falle noch schwerer, Einzelne für die Ehrung auszuwählen“, betonte OB Frei. „Beide Gruppen haben als Ganzes viel für die Menschen in unserer Stadt und darüber hinaus bewirkt – wenn auch auf völlig unterschiedlichen Gebieten und in völliger unterschiedlicher Dauer und Intensität.“ Während die rund 30 Mitglieder der Theatergruppe seit 30 Jahren den Erlös ihrer Theateraufführungen für wohltätige Zwecke spenden, unterstützen die mehr als 70 Mitglieder von „Gemeinsam in Bad Rappenau“ seit rund 3,5 Jahren derzeit etwa 350 Geflüchtete in den verschiedensten Bereichen.

Einzelheiten zum Engagement der beiden Gruppen stellten Elke Müller-Flamm, Kirchengemeinderätin der Ev. Kirchengemeinde Bad Rappenau, und Jeanette Renk-Mulder, die Integrationsbeauftragte der Stadt Bad Rappenau, anschließend den zahlreichen Gästen vor. Zwei PowerPoint-Präsentationen vermittelten den Anwesenden mit vielen Fotos einen zusätzlichen Eindruck vom umfangreichen Einsatz der geehrten Gruppen.

16 aktive Schauspielerinnen und Schauspieler, dazu weitere etwa 16 Personen als Statisten und unverzichtbare Mitarbeiter wirken in der 1989 gegründeten Theatergruppe der ev. Kirchengemeinde mit, berichtete Elke Müller-Flamm. „Es ist, wie in Bad Rappenau „Gott sei gedankt“ selbstverständlich, eine wunderbar ökumenische Gruppe, bunt gemischt auch im Alter - von 15 bis 75 Jahren.“ 30 Stücke wurden seit der Gründung auf die Bühne gebracht, vor allem an das Stück „Die Hexenjagd“ von Arthur Miller hatte Kirchengemeinderätin Müller-Flamm noch lebhafte Erinnerungen, weil seine Aufführung Anfang der 1990er Jahre heftig umstritten war. Alljährlich werde an den Theaterabenden besonders deutlich, „wie viele aktive, ehrenamtliche Helfer mit zur Theatergruppe gehören, zu den teilweise ganzen Familien, die auf und hinter der Bühne mitwirken, die schminken und kleiden, die umräumen oder soufflieren, die im Verkauf von Brezeln und Sekt oder an der Eintrittskasse ihren Dienst tun“, so Elke Müller-Flamm weiter.

Rund 65.000 Euro hat die Theatergruppe im Laufe der zurückliegenden 30 Jahre durch ihre Aufführungen „erspielt“. Und den Erlös in voller Höhe sozialen Einrichtungen in Bad Rappenau und der Umgebung gespendet. 2019 wurden der Freundeskreis der ehemaligen Synagoge Heinsheim, die Initiative „Gemeinsam in Bad Rappenau – für und mit Flüchtlingen“, die Johannes-Diakonie Mosbach Außenstelle Bad Rappenau, die Lebenshilfe Heidelberg, und wie jedes Jahr die Jugendarbeit der ev. Kirchengemeinde Bad Rappenau bedacht.

Die städtische Integrationsbeauftragte Jeanette Renk-Mulder nahm die Anwesenden mit auf eine Reise: „Stellen Sie sich vor, dass Bad Rappenau bombardiert wurde. Ihr Haus ist zerstört, es gibt keine Schulen und Kindergärten mehr und auch Ihr Arbeitsplatz hat sich in einen Trümmerhaufen verwandelt.“ Die Entscheidung zur Flucht liegt da nahe und führt in der hypothetischen Reise nach Afghanistan: „Sie sehen Männer mit Turban und verschleierte Frauen, riechen fremde Gerüche und sehen Schilder in unlesbarer Geheimsprache. Sie verstehen kein Wort und sind komplett desorientiert. Wo fangen Sie an? ungefähr so war das für die Geflüchteten, die zu uns gekommen sind“, schilderte Renk-Mulder eindringlich und bildhaft. Die Helfer und Helferinnen von „Gemeinsam in Bad Rappenau“ waren damals, im Herbst 2015, da. Völlig unvorbereitet, aber voller Mut und Herzlichkeit und der festen Überzeugung, dass man diesen Menschen in Not helfen muss. Zahlreiche Hilfsangebote wurden innerhalb kürzester Zeit auf die Beine gestellt: Die Kleiderkammer und die Fahrradwerkstatt entstanden, Deutschunterricht und Angebote für Kinder wurden organisiert, Patenschaften für einzelne und Familien übernommen, man begleitete die Geflüchteten zu Behörden oder zum Arzt. Später kamen die Arbeitsvermittlung – wo schon viele Erfolge zu verzeichnen sind – und die Wohnungssuche samt der Hilfe bei Umzügen hinzu. Die Geflüchteten meisterten währenddessen zahllose Alltagsherausforderungen. „Gute Deutschkenntnisse und die Arbeit sind der Schlüssel zur Integration“, davon zeigte sich Jeanette Renk-Mulder überzeugt. Aber auch Vereine, die Freiwillige Feuerwehr oder Parteien leisten einen wichtigen Beitrag, um die neuen Bürger zu integrieren. „Integration gelingt nur, wenn beide Seiten sich bemühen: wenn zugewanderte Menschen eine Chance bekommen“, befand Jeanette Renk-Mulder.

„Wenn wir heute diese beiden besonderen Gruppen ehren, zeigt das einmal mehr, wie vielfältig das Ehrenamt ist“, betonte OB Frei, „viele Formen des ehrenamtlichen Engagements ergänzen sich zu einem Ganzen.“

Unter dem Beifall der rund 300 Anwesenden nahm stellvertretend für die Theatergruppe deren Leiter Gerhard Greiner die Silberne Ehrenmedaille der Stadt Bad Rappenau aus den Händen von OB Frei entgegen. Für die Initiative „Gemeinsam in Bad Rappenau“ überreiche OB Frei die Ehrenmedaille an Monika Müller und Jekernon Muhammad.

Bevor der Empfang für das Ehrenamt wie in jedem Jahr mit dem „Badner Lied“ ausklang, beeindruckte die Theatergruppe der ev. Kirchengemeinde die Zuschauer noch mit einer kurzen Szene aus ihrem 2019 aufgeführten Stück „Der Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt. Anschließend hatten die geladenen Ehrenamtlichen genügend Zeit, sich bei einem kleinen Umtrunk im Foyer auszutauschen.

Eindrücke von der Veranstaltung (alle Bilder Uwe Grün, Kraichgaufoto):