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Rund 15 Jahre lang lagen sie gut verwahrt im Archiv der Stadt Bad Rappenau: sogenannte „Genisa-Funde“, die der inzwischen verstorbene Heimatforscher Dr. Hans-Heinz Hartmann 2005 zusammen mit Bernd Göller auf dem Dachboden der ehemaligen Synagoge Heinsheim entdeckt hatte.

„Eine Genisa ist ein verborgener Ort“, erklärt Bernd Göller vom Freundeskreis ehemalige Synagoge Heinsheim. „Alle Schriftstücke in einer Synagoge, in denen das Wort `Gott´ vorkommt, werden nicht weggeworfen. Sie werden entweder in einem besonderen Teil des Friedhofes beigesetzt oder im oberen Teil einer Synagoge verborgen.“

2005 wurden die Fundstücke vom Genisa-Experten Dr. Gil Hüttenmeister gesichtet und bestimmt. Ein besonders gut erhaltenes Stück ist ein Titelblatt aus den „Sprüchen der Väter“, das 1768 in Fürth gedruckt wurde. „Sie waren in unserem Archiv gut verwahrt, aber nun geben wir sie gerne zurück“, so Oberbürgermeister Sebastian Frei bei der Übergabe der Fundstücke im Rathaus.

Nun kehren sie zurück an den Ort, von dem sie stammen. Vorstandsmitglieder des Freundeskreises nahmen die gerahmten Fundstücke in der vergangenen Woche aus den Händen von OB Sebastian Frei und Archivarin Regina Thies entgegen. Künftig sollen Besucher der ehemaligen Synagoge sie vor Ort bewundern können.

In dem kleinen Gebäude in Heinsheim erinnert fast nichts mehr an das Gebäude, wo vor 15 Jahren die Genisa gefunden wurde: Mit viel Eigenleistung, Spenden und öffentlichen Mitteln hat der Freundeskreis die ehemalige Synagoge nun in einen schmucken Ort der Begegnung verwandelt. 2012 war der Freundeskreis gegründet worden, und ab 2013 fanden Veranstaltungen in dem Gebäude statt – quasi in der Baustelle.

Mit Stolz aber auch mit gemischten Gefühlen blicken die Vorstandsmitglieder auf die jahrelangen Sanierungsarbeiten zurück. „Wir waren oft an einem Punkt, an dem wir dachten, es geht nicht weiter“, berichtet Bernd Göller. „Wenn wir vorher gewusst hätten, wie teuer es wird, hätten wir das Gebäude wohl nicht gekauft“, stimmt auch Vorstand Hans-Eckard Bucher zu. Den entscheidenden finanziellen Schub gab dem Projekt schließlich das „Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum“ (ELR). 2015 wurde ein Förderantrag in Höhe von 370.000 Euro gestellt. „Es ist fast ein Wunder, dass dieses Gebäude überlebt hat“, freut sich Vorstandsmitglied Eduard Muckle, „in ganz Baden-Württemberg gibt es nur noch wenige solcher Dorfsynagogen, viele wurden in den 1970er Jahren abgerissen“.

„Das ist ein einzigartiges Projekt im Stadtgebiet“, so OB Frei, „mit der Außenanlage und dem neuen Nebengebäude wertet es den Ortskern von Heinsheim auf.“ Ende September / Anfang Oktober dieses Jahres soll endlich (nach mehreren Corona-bedingten Verschiebungen) die Einweihung zusammen mit der Öffentlichkeit gefeiert werden.

1006 Genisa Rueckgabe 
Rückgabe der Fundstücke an den Vorstand des Freundeskreises ehem. Synagoge Heinsheim (v.l.): Archivarin Regina Thies, Eduard Muckle, Hans-Eckard Bucher, Manfred Schädler, OB Sebastian Frei, Bernd Göller

 
 
 
 
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