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...wer nicht gerade Paläontologe ist oder Fossilien sammelt, wird mit dem Begriff wohl nicht viel anfangen können. Kurz gesagt handelt es sich beim Stauromatodon mohli um einen Saurier, der vor 240 Millionen Jahren in unserer Region lebte. Sein Kiefer, bzw. Teile davon, wurden 2006 in einem Steinbruch bei Vellberg (Landkreis Schwäbisch Hall) gefunden. Was das mit Bad Rappenau zu tun hat? Gefunden hat das Fossil der Rappenauer Fabian Mohl. Untersuchungen ergaben schließlich, dass der Kieferknochen zu einer bislang noch unbekannten Art gehört. Und so wurde die Art nach dem Finder benannt und trägt seit 2021 den Namen „Stauromatodon mohli“.

Bei einem kleinen Empfang im Rathaus berichtete Fabian Mohl von seiner Entdeckung und der kürzlich erfolgten wissenschaftlichen Ehrung. Schon seit seiner Kindheit sammelt Fabian Mohl Fossilien. Erste spektakuläre Funde machte er im ehemaligen Grombacher Steinbruch und zeigte sie dem 2020 verstorbenen Heimatforscher Dr. Hans Heinz Hartmann. Mit ihm blieb er im Austausch und Hartmann bestärkte Fabian Mohl in seiner Sammelleidenschaft. „Schade, dass ich das nicht mehr Dr. Hartmann erzählen kann, er hätte sich sehr gefreut“, bedauert Fabian Mohl.

Dem Hobby seiner Kindheit ist Fabian Mohl treu geblieben und ist nun schon seit „über 20 Jahren begeisterter Hobby-Paläontologe“, wie er selbst sagt. Seit geraumer Zeit steht er im Kontakt mit dem Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart. Dem Museum hat er auch schon einige wichtige Funde gestiftet.

Vom Leiter der Abteilung Paläontologie, Prof. Dr. Rainer Schoch, hatte er auch die offizielle Erlaubnis, im Steinbruch in Vellberg-Eschenau nach Fossilien zu suchen. Denn nicht nur Ausdauer, Interesse und Entdeckergeist sind wichtig bei der Fossiliensuche, sondern vor allem auch Vorsicht. Man braucht Schutzausrüstung und muss wissen, in welchen Bereichen man sich gefahrlos aufhalten kann.

Im Jahr 2006 entdeckte Fabian Mohl im Steinbruch in Vellberg-Eschenau schließlich ein Kieferfragment mit sehr eigentümlichen, palisaden- oder meißelförmigen Zähnen. Es war ihm rasch klar, dass es sich um ein neues Reptil handelt, denn solche Zähne waren bisher unbekannt. Die Form der Zähne gab auch Anlass zur Benennung: Stauromatodon bedeutet Palisaden-Zahn. Er übergab das Fundstück an Prof. Rainer Schoch vom Naturkundemuseum, wo es aufwändig untersucht wurde und man zu dem Schluss kam, dass es sich hier um eine neue Art handeln muss. Diese ist älter als die Dinosaurier, wahrscheinlich ein früher Verwandter heutiger Echsen, der ca. 2 Meter lang war und hartschalige Nahrung (z.B. große Insekten) gefressen hat.

„Bei Stauromatodon mohli handelt es sich um einen Kiefer mit Zähnen, der weltweit einmalig ist. Leider wissen wir nicht, zu welcher Saurier-Gruppe das Tier gehörte (dazu bräuchten wir einen vollständigen Schädel), hoffen aber, dass künftige, vollständigere Funde mehr dazu erbringen. Der Fund an sich wirkt nicht spektakulär, ist aber für unsere Forschung wichtig, weil er zeigt, wie artenreich die Ökosysteme in Württemberg vor 240 Millionen Jahren waren. Er bildet also ein kleines, aber sehr spannendes Puzzleteil für die Rekonstruktion dieser vergangenen Ökosysteme aus der Zeit vor der Entstehung der Dinosaurier“, so beschreibt Paläontologe Schoch die Bedeutung des Fundes.

An der Fundstelle, dem Steinbruch in Vellberg, haben sich in einer 240 Millionen Jahre alten, grauen Tonschicht, die in einem kleinen Süßwassersee abgelagert wurde, viele verschiedene Reptilien erhalten. Die meisten von ihnen gehören zu bisher unbekannten Arten. Dazu zählen urtümliche, längst ausgestorbene Reptilien, winzige Verwandte heutiger Echsen, die älteste Schildkröte der Welt (Pappochelys), mehrere 2-3 Meter lange, fischfressende Saurier, sowie bis zu 6 Meter lange Top-Räuber (Batrachotomus) aus der Verwandtschaft der Krokodile. Weitere Grabungen sind geplant, die hoffentlich neue Erkenntnisse zu Stauromatodon mohli liefern werden.

 


 
 
 
 
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