• Wasserschloss Bad Rappenau

    Wasserschloss Bad Rappenau Nacht

Der Text stammt von Michael Konnert und wurde 1998 in der Broschüre „25 Jahre Stadt Bad Rappenau“ erstmals veröffentlicht:

Die ersten Gemeinden, die sich Bad Rappenau anschlossen, waren das 3 km westlich von Bad Rappenau gelegene Babstadt sowie Treschklingen, das kaum 5 km südwestlich vom Kurort liegt.

1971 Ortsschild BAB

Ortsschild Babstadt, 1971 (aus dem Nachlass von Bürgermeister Fritz Hagner)

Im September 1970 war der Babstadter Gemeinderat in einer seiner letzten Sitzungen zur Ansicht gelangt, die im Zusammenhang mit der Gemeindereform gegebenen finanziellem Möglichkeiten auszuschöpfen und mit der Gemeinde Bad Rappenau Verhandlungen über die Eingliederung von Babstadt aufzunehmen. Vorverhandlungen hatten bereits früher stattgefunden. Mit der Gemeinde Bad Rappenau wurde ein gemeinsamer Vertragsentwurf erstellt, der zur Einsichtnahme durch die Bürger im Rathaus aufgelegt wurde. Am 09.10.1970 fand in der Schule eine Bürgerversammlung statt, in der den Bürgern Gelegenheit geboten wurde, sich über Fragen der bevorstehenden Verwaltungsreform zu informieren. Gleichzeitig gab Bürgermeister Willi Detterer die Ergebnisse der bisherigen Verhandlungen bekannt. Danach sollte die Eigenart der Gemeinde auch nach der Eingliederung erhalten bleiben und das sportliche, kirchliche und kulturelle Leben sich auch weiterhin ungehindert entfalten können. Schließlich gab der Bad Rappenauer Bürgermeister Fritz Hagner der versammelten Gemeinde bekannt, in Babstadt werde nach einem evtl. Anschluss an Bad Rappenau eine Verwaltungsstelle eingerichtet; gleichzeitig würde der Ort im Bad Rappenauer Gemeinderat durch 2 Gemeinderäte vertreten sein. Sieben Wochen nach der Bürgerversammlung, und zwar am Sonntag, 29.11.1970, wurden die Babstadter aufgefordert, sich im Rahmen einer Befragung über die Zukunft ihrer Gemeinde zu äußern. Zwar war die Wahlbeteiligung mit knapp 44% eher mäßig, aber die Zustimmung für eine Bereinigung mit Bad Rappenau war eindeutig. Von den 363 Wahlberechtigten machten 159 von ihren Wahlrecht Gebrauch. Für die Fusion stimmten 139 (87,4%), dagegen 20 Wahlberechtigte. Zwei Tage nach der Anhörung der Bevölkerung beschloss der Gemeinderat einstimmig, die Fusion mit Bad Rappenau durchzuführen. Am 8.12.1970 unterzeichneten Babstadts Bürgermeister Willi Detter und Bad Rappenaus Bürgermeister Fritz Hagner im Bad Rappenauer Rathaus den Eingliederungsvertrag, der am 01.01.1971 in Kraft trat. Am 29.12.1970 nahm der Babstadter Gemeinderat in seiner letzten Sitzung Abschied von der Selbstständigkeit und wählte als Vertreter Babstadts in den Gesamtgemeinderat von Bad Rappenau – bis zur nächsten Gemeinderatswahl – die Gemeinderäte Dr. Seitz und Kälberer. Die bisherigen Gemeinderäte Hagner, Herion, Junker und Koller hingegen schieden mit Inkrafttreten der Eingliederungsvereinbarung aus. Bürgermeister Willi Detter, der 22 Jahre hindurch der Gemeinde Babstadt vorgestanden hatte, wurde die Leitung der zum 1.1.1971 einzurichtenden Verwaltungsstelle des Ortsteils Babstadt anvertraut.

1971 Ortsschild TRE Hagner

Ortsschild Treschklingen 1971 (aus dem Nachlass von Bürgermeister Fritz Hagner)

Ähnlich verlief auch die Eingemeindung von Treschklingen.
Bereits im Frühherbst 1970 wurden Verhandlungen zwischen den Gemeinderäten von Bad Rappenau und Treschklingen aufgenommen. Am Sonntag, 29.11.1970, waren die 284 Wahlberechtigten der Gemeinde Treschklingen aufgefordert, sich zur Fusion mit der Bädergemeinde Bad Rappenau zu äußern. Der Bürgerentscheid hätte deutlicher kaum ausfallen können. Von 168 abgegebenen Stimmen sprachen sich 143 (85,1%) für die Eingemeindung nach Bad Rappenau aus. Dagegen waren 21. Vier Stimmen waren ungültig. Die Wahlbeteiligung betrug damit rund 55%.
Bereits einen Tag nach dem eindeutigen Votum der Bevölkerung befürwortete der Treschklinger Gemeinderat ohne große Diskussion einstimmig die Eingemeindung nach Bad Rappenau. Treibende Kraft bei den Eingliederungsverhandlungen war Bürgermeister-Stellvertretung Heinz Dörzbach, der Bürgermeister Gustav von Gemmingen, der gleichzeitig Abgeordneter im Deutschen Bundestag war und als Entwicklungshelfer oft in Afrika weilte, vertrat. Die Fusion wurde besiegelt am 08.12.1970 im Bad Rappenauer Rathaus mit den Unterschriften von Treschklingens Bürgermeister-Stellvertreter Heinz Dörzbach und Bad Rappenaus Bürgermeister Fritz Hagner. Dörzbach stellte dabei fest, dass die Unterzeichnung des Vertrages das Ende der eigenen Dorfgeschichte bedeute und dass es verständlich sei, wenn sich in dieser historischen Stunde wehmütige Erinnerungen einstellten. Die neue Zeit fordere aber indes auch auf diesem Sektor ein Umdenken sowie neue Formen und auch gewisse Opfer. Seine Bitte gehe dahin, dass der große Bruder dem kleineren Gelegenheit zur Entfaltung und weiterem Wachstum gebe, dann werde die Integrierung der Gemeinden zum Wohle aller Einwohner beitragen. Bis zur Wahl eines neuen Gemeinderates wurden in den Gesamtgemeinderat von Bad Rappenau Heinz Dörzbach und Willi Vetterer entsandt.
Mit dem 01.01.1971 ging die Selbstständigkeit Treschklingens zu Ende und die kleine Gemeinde wurde Ortsteil von Bad Rappenau.
Durch die Eingemeindung von Babstadt und Treschklingen zum 01.01.1971 war die Einwohnerzahl Bad Rappenaus auf über 6.500 angestiegen. Die Gemarkungsfläche betrug jetzt 2.557 Hektar und hatte damit die der Kreisstadt Sinsheim (2.192 Hektar) überrundet.

1971 Eingemeindung Bab TRE K

Am 08.12.1970 wurden die Eingemeindungsurkunden unterschrieben (v.l.): Bürgermeister-Stellvertreter Heinz Dörzbach (Treschklingen) Bürgermeister Fritz Hagner (Bad Rappenau) und Bürgermeister Willi Detterer (Babstadt). Im Hintergrund Ratsschreiber Armin Herion (Babstadt/Treschklingen) und Oberamtmann Karl Mann (Bad Rappenau). Foto: Stadtarchiv Bad Rappenau, Josef Junker

Auch in den nächsten Jahren stehen weitere Eingemeindungs- und Stadtjubiläen an:

2022:
Im Jahr 2022 kommen weitere „50er“ dazu: Am 01.01.1972 wurden Wollenberg und Obergimpern, am 01.03.1972 Heinsheim eingemeindet. Ein noch bedeutenderes Jubiläum begeht im Jahr 2022 die Solebohrung. Vor Sage und Schreibe 200 Jahren wurde die erste erfolgreiche Solebohrung niedergebracht!

2023:
Die Jubiläumsserie reißt nicht ab, weiter geht es am 01.01.1973 mit der Eingemeindung von Grombach und Fürfeld, ebenso erfolgte zu diesem Datum mit der Kreisreform die Zuordnung zum Landkreis Heilbronn. Am 29.05.1973 wurde Bad Rappenau zur Stadt erhoben (am 01.01.2003 zur Großen Kreisstadt!), und am 01.11.1973 erfolgte schließlich die Eingemeindung von Bonfeld.

Das sind viele Gründe zum Feiern! Anlässlich dieser besonderen Jubiläen ist 2023 unter anderem eine Ausstellung im Rathaus geplant, es sollen besondere Artikel in den kommenden Bad Rappenauer Heimatboten sowie weitere Veröffentlichungen erscheinen. Außerdem laufen schon Planungen für größere Veranstaltungen zu den Jubiläen der Jahre 2022 und 2023.

Darauf freuen wir uns schon jetzt, wo es doch im vergangenen Jahr leider nicht so viel zu Feiern gab!

1971 Babstadt Gedchtnislinde Hagner K

Pflanzung einer Gedächtnislinde am 01.01.1971 in Babstadt (aus dem Nachlass von Bürgermeister Fritz Hagner)

 
 
 
 
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