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Einweihung Wohnhaus „Brunnenstraße“:

Zahlreiche Gäste folgten der Einladung der Johannes-Diakonie Mosbach zur Einweihungsfeier des neu errichteten Wohnhauses für behinderte Menschen in der Brunnenstraße. Dort sind auf 1.200 m² insgesamt 25 Einzelzimmer mit gemeinsamen Bädern und Aufenthaltsräumen entstanden. Die Einzelzimmer sind bereits alle belegt, wobei die Bewohner zwischen 21 und 63 Jahren alt sind, ein noch nicht belegter Kurzzeitplatz ist stark nachgefragt.

Begrüßt wurden alle Anwesenden von Pfarrer Joachim Bollow, der als Pfarrer vor Ort der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Rappenau vor allem die Bewohner begrüßte, die beim Projekt an erster Stelle stehen und in Zukunft hier leben werden. Zu Beginn wurde sogleich auch der geistliche Segen für das ganze Projekt und die Menschen gesprochen.

Pfarrer der Johannes-Diakonie, Richard Lallathin, spannte einen Bogen vom geologischen Grund, der in 200 Meter Tiefe liegenden Salzschicht, die Mosbach und Bad Rappenau verbindet, über die Sole, die in Mosbach nur schwach fließt, während sie in Bad Rappenau sprudelt hin zu den Brunnen, die früher der wichtigste Ort eines Dorfes waren, Orte der Erfüllung elementarer Lebensbedürfnisse. „Heute haben wir uns also passenderweise hier in der „Brunnen“-Straße getroffen, um das Wohnhaus Brunnenstr. 13 einzuweihen, und wir wünschen allen Bewohnern, dass sie hier Leben und Gemeinschaft erfahren dürfen und aus tiefen Quellen Kraft schöpfen können. Hier ist Zeit für Begegnung, gute Gespräche oder Stille“. Es sei eine besondere Herausforderung, so ein Wohnprojekt zum Laufen zu bringen, damit eine Gemeinschaft entsteht und sich alles vernetzt, so Lallathin. Zur Vernetzung gehört auch ein Gemeinsamer Gottesdienst in der Evangelischen Kirche in Bad Rappenau am 15.09.2019, zu dem Pfarrer Lallathin herzlich einlud.

Der Vorstandsvorsitzende der Johannes-Diakonie, Martin Abel, dankte allen Beteiligten, die dazu beigetragen haben, dass aus Planung Substanz wurde, und die die Bewohner dabei unterstützen, hier heimisch zu werden. „Hier ist ein Wohnhaus mit Betreuung und Pflege entstanden, mit Mieterinnen und Mietern, die sich selbst dazu entschieden haben, hier zu wohnen. Wir feiern hier heute die Einweihung eines besonderen Gebäudes an einem besonderen Standort, das ein wichtiges Zeichen der Regionalisierung der Johannes-Diakonie ist.  Es ist Ausdruck des Selbstbestimmungsrechts der Bewohner, aus dem gesetzlich verankerten Wunsch- und Wahlrecht wurde Realität, es ermöglicht den Bewohnern das für uns so normale Recht, hier ein selbstbestimmtes Leben zu führen“.

Bei den sich anschließenden Grußworten befand Oberbürgermeister Sebastian Frei, dass es auf dem Baugrundstück früher „gelinde gesagt wilder und herber“ zuging, als vor genau fast 2 Jahren, am 11.07.2017 ein symbolischer Spatenstich stattfand. „Wie anders sah es damals hier aus: Auf einem ehemals ziemlich verwilderten Gewerbegrundstück türmten sich Erdberge auf, Fundamente waren ausgehoben und die Umrisse der Gebäude gerade zu erahnen. Man kann es sich kaum noch vorstellen, wenn man heute die neuen, ansprechenden Gebäude anschaut. Ich glaube und hoffe, dass hier vor allem ein Stück Heimat entstanden ist für die neuen Bewohner. Ich freue mich sehr, dieses Projekt heute gemeinsam mit Ihnen und vor allem zusammen mit den neuen Bewohnern offiziell seiner Bestimmung übergeben zu dürfen. Ich wünsche mir, dass diese Einrichtung in Bad Rappenau mit dazu beiträgt, dass das Zusammenleben von Behinderten und Nichtbehinderten immer mehr zur Normalität wird. Wir wären in der Gesellschaft schon ein Stück weiter, wenn es so etwas überall gäbe.“

Auch Susanne Hennig, Dezernatsleiterin Jugend und Soziales beim Landratsamt Heilbronn schloss sich in ihrem Grußwort den Gratulanten an. Sei es doch die Erste Einrichtung ihrer Art im Landkreis Heilbronn. „Die Johannes-Diakonie hat schon immer viele Menschen im Landkreis Heilbronn betreut und versorgt, bisher allerdings immer nur in Mosbach. Dieses neue Projekt ermöglicht den Menschen ein Ankommen dort wo sie herkommen, wo die Angehörigen leben. Wohnortnahe Angebote sind ein Segen für alle Beteiligten. Das kombinierte Projekt aus Wohnen plus Tagesstruktur ist ein tolles Konzept, auch der Förderausschuss war davon überzeugt, so dass öffentliche Gelder in das Projekt geflossen sind. Ein großer Dank auch an die Stadt, für die positive Aufnahme des Projektes schon lange vor dem Spatenstich, das ist nicht selbstverständlich.“ Dem pflichtete auch Yvonne Jelinek, regionale Geschäftsführerin der Region Rhein-Neckar der Johannes-Diakonie bei. „Der Oberbürgermeister und der Gemeinderat haben sich von Anfang an für das Projekt eingesetzt und grünes Licht gegeben. Das ist keine Selbstverständlichkeit! Dies ist auch Ausdruck des Leitbilds der Johannes-Diakonie, das „Menschliche Offenheit in Bezug auf Andersartigkeit“ beinhaltet. „Die Bewohner sind hier so gut angekommen, weil Barrieren in den Köpfen nicht vorhanden waren, hierfür möchten wir allen Bürgern danken“, so Jelinek.

Die Bewohner haben schon vor einiger Zeit die Wohnungen bezogen, haben ganz normal Advent, Weihnachten, Silvester, Fasching und Geburtstage gefeiert. Es wird dort gearbeitet, gemalt, gesungen, gebastelt und gesprochen. Stellvertretend für alle Bewohner verkündete Clemens Papmahl, Einrichtungsleiter des Wohnhauses, „wir sind hier angekommen, hier im Leben, hierfür danke ich in erster Linie auch den Mitarbeitern des Hauses, die den Bewohnern von Anfang an auf Augenhöhe begegnet sind, sowie allen Unterstützern und Förderern des Hauses, sowie Danke an Bad Rappenau – wir sind hier ganz normal und so fühlen wir uns auch“.

Hintergrund:
Die Johannes-Diakonie betreut Menschen mit körperlichen, geistigen und psychischen Behinderungen und bietet in Baden-Württemberg insgesamt 1.750 Wohnplätze und 2.200 Werkstattplätze an. 1.550 Wohnplätze befinden sich im Neckar-Odenwald-Kreis v.a. in Mosbach und Schwarzach. Aufgrund von geänderten gesetzlichen Vorgaben müssen die großen Wohneinheiten nun bis 2035 aufgelöst und in kleinere Einheiten umgewandelt werden. Dabei ist u.a. auf die Nähe zum Herkunftsort der Bewohner zu achten. 300 Bewohner sollen dabei bis zum Jahr 2020 in die Nähe ihrer Heimatorte umziehen und die entsprechenden Heimplätze für sie geschaffen werden.